May 28, 2026 6:10 pm

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Kreditzweitmarkt-Event D/A/CH Teil 2: Zusammenfassung der Veranstaltung

Die Veranstaltung widmete sich schwerpunktmäßig der Entwicklung des deutschen und europäischen NPL‑, Kredit- und Real-Estate-Sekundärmarkts. Im Mittelpunkt standen die makroökonomischen Rahmenbedingungen, die erwartete Entwicklung notleidender und gefährdeter Kredite, konkrete Marktbeobachtungen aus Banken-, Investoren- und Servicerperspektive sowie technologische und strukturelle Lösungen für Distressed- und Workout-Situationen. Die nachfolgende Zusammenfassung konzentriert sich auf die inhaltlichen Beiträge des Tages und blendet organisatorische Hinweise aus.

1. Eröffnung und thematische Einordnung

Zum Auftakt wurde die Konferenz als Reaktion auf die deutlich veränderte Marktsituation im deutschen NPL- und Kreditsekundärmarkt eingeordnet. Die Veranstalter betonten, dass Deutschland nach Jahren relativer Marktstabilität inzwischen wieder in den Fokus internationaler Investoren, Servicer und Kreditmarktteilnehmer rückt. Treiber sind insbesondere regulatorische Anforderungen, ein verändertes Zinsumfeld, Druck auf gewerbliche Immobilienfinanzierungen sowie die Frage, wie sich Banken, Investoren und Kreditdienstleister auf eine mögliche neue Welle von Problemkrediten vorbereiten sollten.

2. Keynote von Prof. Dr. Christoph Schalast: Marktzyklen, Krisenvergleich und Ausblick auf den NPL-Markt

Die Keynote stellte die aktuelle Entwicklung des NPL-Marktes in einen größeren historischen und makroökonomischen Zusammenhang. Ausgangspunkt war die These, dass sich die heutige Situation zwar mit früheren Krisen vergleichen lässt, aber nicht einfach eine Wiederholung der Finanzkrise 2007/2008 ist. Der Vortrag zeichnete die Entwicklung von der Finanzkrise über die Eurokrise bis zur Covid-Zeit nach und arbeitete heraus, dass sich Banken, Regulierung und Marktstrukturen seitdem fundamental verändert haben. Banken seien heute besser kapitalisiert, stärker reguliert und widerstandsfähiger als in früheren Krisenphasen.

Besonderes Augenmerk legte der Referent auf die Unterschiede zwischen tatsächlichen NPL-Quoten und sogenannten Stage‑2-Exposures. Während die offiziellen NPL-Quoten noch vergleichsweise niedrig seien, zeigten Stage‑2-Kredite bereits deutlich steigende Risiken an. Nach seiner Einschätzung liegt die eigentliche Dynamik derzeit weniger in bereits ausgefallenen Krediten als in einer breiten Verschlechterung des Risikoprofils in den Bankbilanzen. Diese Entwicklung sei ein Frühindikator für künftige Marktbewegungen und spreche dafür, dass der deutsche Markt vor einer Phase zunehmender Restrukturierungen und Transaktionen steht.

Inhaltlich wurden als Hauptursachen der aktuellen Belastung vor allem die Zinswende, geopolitische Unsicherheiten, Inflationsdruck, ein schwaches Wachstum in Deutschland sowie strukturelle Veränderungen in Geschäftsmodellen genannt. Besonders betonte der Vortrag, dass viele Unternehmen heute nicht nur konjunkturell, sondern auch strukturell unter Druck stehen. In diesem Zusammenhang wurde die Lage eher mit der Phase Anfang der 2000er Jahre verglichen, als Deutschland als „kranker Mann Europas“ galt und eine ausgeprägte NPL-Welle entstand. Die zentrale Botschaft lautete, dass der Markt vor einem länger anhaltenden Anpassungsprozess steht und sich Banken sowie Investoren frühzeitig auf Kredittransfers, Restrukturierungen und neue Marktmechanismen einstellen sollten.

3. Paneldiskussion: Marktbeobachtungen aus Banken-, Investoren- und Servicerperspektive

Die anschließende Paneldiskussion brachte unterschiedliche Marktperspektiven zusammen: Vertreter von Banken, Investoren, Servicern und Beratern diskutierten die Frage, in welchen Segmenten die nächsten Problemkredite entstehen, wie stark der Handlungsdruck tatsächlich ist und welche Lösungsansätze realistisch erscheinen. Übereinstimmend wurde betont, dass die aktuelle Situation nicht mit der globalen Finanzkrise gleichgesetzt werden könne. Banken seien heute deutlich robuster aufgestellt und verfügten über bessere Prozesse, höhere Kapitalisierung und größere Workout-Erfahrung. Gleichzeitig wurde aber klargestellt, dass dies keinen strukturellen Entlastungseffekt für belastete Assetklassen bedeutet.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen vor allem drei Bereiche. Erstens wurde Commercial Real Estate als derzeit sichtbarster Problembereich identifiziert. Insbesondere Büroimmobilien, Projektentwicklungen und periphere Lagen stehen unter Druck, weil sich Finanzierungskosten erhöht haben, Exit-Märkte schwächer sind und strukturelle Nachfragerisiken – etwa durch Homeoffice und mögliche Produktivitätseffekte von KI – zunehmen. Zweitens wurden mittelständische Unternehmensfinanzierungen und bestimmte Corporate-Segmente als wachsender Risikobereich genannt, darunter Automotive-Zulieferer, energieintensive Industrien, Teile der Softwarewirtschaft sowie einzelne Online- oder Healthcare-Geschäftsmodelle. Drittens wurde Glasfaser/Fiber als eigenständiges Distressed-Thema hervorgehoben: hohe Investitionskosten, fragmentierte Märkte, schwierige Konsolidierung und teilweise zu optimistische Investorenannahmen führten dort zu steigendem Druck.

Mehrere Panelisten betonten, dass sich die kommende Marktphase wahrscheinlich nicht in Form großer, homogener NPL-Portfolios zeigen werde, sondern eher über kleinere Portfolien, Single Names, bilaterale Transaktionen und strukturierte Workouts. Auf Investorenseite wurde hervorgehoben, dass Selektivität und lokale Marktkenntnis entscheidend seien. Auf Bankenseite wurde deutlich, dass Stage‑2-Kredite intensiv beobachtet und durch Restrukturierungsmaßnahmen möglichst vor einem formalen Ausfall stabilisiert werden sollen. Insgesamt zeichnete das Panel das Bild eines Marktes, der spürbar unter Spannung steht, aber differenzierter und professioneller mit Risiken umgeht als in früheren Krisen.

 

4. Fachbeitrag Thomas Spulak: Restrukturierung von Commercial-Real-Estate-Krediten

Im Fachvortrag zur Restrukturierung gewerblicher Immobilienfinanzierungen wurde herausgearbeitet, dass der Markt nicht nur unter höheren Zinsen leidet, sondern vor allem unter einer grundlegenden Refinanzierungslücke. Kredite, die in der Niedrigzinsphase unter anderen Marktannahmen strukturiert wurden, treffen heute auf deutlich höhere Finanzierungskosten, niedrigere Werte und schwächere Exit-Märkte. Der Referent argumentierte, dass viele in den vergangenen zwei bis drei Jahren verfolgte „extend and pretend“-Strategien an ihre Grenzen stoßen. Die Vorstellung, der Markt werde sich kurzfristig von selbst normalisieren, sei in vielen Fällen nicht mehr tragfähig.

Als zentrale Konsequenz wurde gefordert, den Fokus weg von reinem Zeitgewinn und hin zu operativer Wertschöpfung zu verlagern. Entscheidend sei, wer tatsächlich in der Lage ist, ein belastetes Asset aktiv zu steuern: also Vermietung, Mietvertragsmanagement, CapEx-Entscheidungen, Positionierung und Exit-Vorbereitung effizient umzusetzen. Der Vortrag unterschied deshalb zwischen Halten, Verkauf, geteiltem Wertaufbau und strukturierten Auffanglösungen. Aus Sicht des Referenten ist der zentrale Unterschied nicht mehr, ob ein Kredit formal problematisch ist, sondern ob es gelingt, die operative Steuerung eines Assets so zu organisieren, dass wieder Exitfähigkeit entsteht. Besonders betont wurden dabei schnelle Entscheidungsprozesse, datenbasierte Steuerung und realistische Trigger für einen Verkauf statt bloß zeitlich aufgeschobener Entscheidungen.

5. Fachbeitrag Artur Kozlowski: Entwicklung des Sekundärmarkts für Schuldscheine

Der Vortrag zum Schuldscheinmarkt zeigte, dass sich dieses traditionell eher illiquide und beidseitig gehaltene Produkt in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem relevanten Sekundärmarktsegment entwickelt hat. Besonders seit einzelnen prominenten Problemfällen und mit dem gestiegenen Druck auf bestimmte Branchen sei die Bereitschaft gewachsen, Schuldscheinpositionen aktiv zu handeln. Als Hauptverkäufer wurden vor allem Sparkassen, Volksbanken und teilweise ausländische Institute genannt, die entweder aus Risikoüberlegungen, wegen Klumpenrisiken oder aus Mangel an internen Bearbeitungskapazitäten nach Exit-Lösungen suchen.

Inhaltlich hob der Vortrag hervor, dass der Schuldscheinsekundärmarkt vor allem dort relevant wird, wo kleinere Positionen, intransparente Informationslagen und unterschiedliche Risikoeinschätzungen aufeinandertreffen. Plattformbasierte Prozesse können hier Transparenz schaffen, Markttests vereinfachen und den Zugang zu breiteren Investorenkreisen ermöglichen. Besonders hervorgehoben wurden dabei die Rolle standardisierter Dokumente, strukturierter Datenräume und regulierungsnaher Prozessgestaltung. Gleichzeitig wurde aber deutlich gemacht, dass Preisfindung, Übertragbarkeit von Positionen und Informationszugang weiterhin zentrale Hürden bleiben.

6. Fachbeitrag Boris Hardi: Real-Estate-Transaktionen, Stage‑2-Dynamik und Preisfindung

Der Vortrag von Boris Hardi konzentrierte sich auf die Größenordnung und Marktdynamik gewerblicher Immobilienkredite. Kernaussage war, dass der eigentliche Druck im Markt oft früher sichtbar wird als in offiziellen NPL-Statistiken. Durch die Kombination aus steigenden Refinanzierungskosten, sinkenden Mieten in einzelnen Teilmärkten, gesunkenen Werten und verschärften Kreditstandards entsteht eine Finanzierungslücke, die viele Bestandskredite in den kommenden Jahren unter Druck setzt. Besonders hervorgehoben wurde, dass zwischen 2025 und 2027 ein erheblicher Anteil gewerblicher Immobilienfinanzierungen refinanziert werden muss und sich daraus ein substanzieller Anpassungsbedarf ergibt.

Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Verkäufer und Marktteilnehmer mit Preisfindung umgehen sollten. Der Referent warnte vor unpräzisen, zu breiten Marktansprachen und hob hervor, dass unstrukturierte Verkaufsprozesse häufig zu schlechteren Ergebnissen führen. Notwendig seien vielmehr gezielte, gut vorbereitete und dokumentierte Prozesse, in denen frühzeitig realistische Preisvorstellungen entwickelt und passende Investoren identifiziert werden. Seine zentrale Empfehlung lautete, problematische Engagements möglichst frühzeitig aktiv zu managen und nicht erst dann auf den Markt zu bringen, wenn die Zahl potenzieller Käufer bereits deutlich geschrumpft ist.

7. Fachbeitrag Timur Peters: KI-gestützte Due Diligence und Datenverarbeitung

Im abschließenden Technologieteil wurde gezeigt, wie Künstliche Intelligenz die Bearbeitung und Transaktionsfähigkeit von Kredit- und Distressed-Prozessen verändert. Der Vortrag stellte ein KI-gestütztes Due-Diligence-Tool vor, das Dokumente in unterschiedlichen Sprachen auswerten, Inhalte strukturieren, Fragen direkt aus dem Datenraum beantworten und auf Quellen verweisen kann. Ziel ist es, die Informationsasymmetrie in Kredittransaktionen zu verringern und den Aufwand auf Käufer- wie Verkäuferseite spürbar zu reduzieren.

Besonders hervorgehoben wurde, dass in vielen Transaktionsprozessen ein großer Teil der Rückfragen bereits durch vorhandene Daten beantwortbar ist. KI kann helfen, diese Informationen schneller zugänglich zu machen, mehr Investoren frühzeitig in Prozesse einzubinden und auch sprachliche Barrieren zu senken. Gleichzeitig wurde betont, dass solche Systeme nicht die juristische oder wirtschaftliche Verantwortung ersetzen, sondern vor allem als Beschleuniger und Strukturierungshilfe dienen. Insgesamt wurde Technologie damit nicht als Selbstzweck, sondern als Hebel für Markttransparenz, schnellere Due Diligence und effizientere Sekundärmarktprozesse dargestellt.

8. Gesamtfazit des Tages

Über alle Beiträge hinweg zeigte sich ein konsistentes Bild: Der deutsche Kredit- und NPL-Markt befindet sich an einem Wendepunkt. Die Probleme sind anders gelagert als in früheren Krisen, aber in ihrer strukturellen Tragweite erheblich. Besonders betroffen sind gewerbliche Immobilienfinanzierungen, ausgewählte Corporate-Segmente und spezielle Infrastrukturthemen wie Glasfaser. Gleichzeitig ist der Markt professioneller, regulatorisch klarer und operativ deutlich besser aufgestellt als in früheren Wellen. Daraus folgt, dass die kommenden Jahre wahrscheinlich weniger von massenhaften Standardlösungen, sondern stärker von differenzierten Restrukturierungen, gezielten Verkäufen, aktiver Asset-Steuerung und datengetriebenen Prozessen geprägt sein werden. Die Veranstaltung machte deutlich, dass erfolgreiche Marktteilnehmer künftig diejenigen sein werden, die Risiken früh erkennen, realistisch bewerten und operative Handlungsmöglichkeiten konsequent nutzen.

Bei Interesse an den Präsentationen einfach eine Email an sales@debitos.com

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Dieser Artikel wurde verfasst von Timur Peters

Timur Peters is the founder of Debitos GmbH. He holds a diploma in finance and law. He is Expert of the NPL Advisory Panel at the European Commission in Brussel and has more than 20 years’ experience in the range of finance.
Before Founding Debitos Timur Peters was responsible in the distribution of Software for Banks and Financial Institutions for Comarch for the D/A/CH Region. Next to this he has worked for several years as a self employed Project Consultant in the area of Financing of Litigation cases, Peer2-Peer Credit Marketplaces and other online projects for financial institutions.

Website:
https://www.debitos.com

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