January 19, 2026 11:58 am

Wann sollten Banken Kreditforderungen verkaufen? – Strategische Entscheidungen für deutsche Kreditinstitute

Die Frage, wann Banken den Verkauf von Kreditforderungen (Credit Exposures) in Erwägung ziehen sollten, gewinnt im deutschen Bankensektor zunehmend an Bedeutung. Steigende regulatorische Anforderungen, volatile wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie ein intensiver Wettbewerbsdruck zwingen Kreditinstitute dazu, ihre Kreditportfolios aktiv und vorausschauend zu steuern. Der Forderungsverkauf ist dabei kein reines Kriseninstrument, sondern ein zentrales Element einer modernen, strategischen Bilanzsteuerung.

Regulatorischer Druck und Kapitaloptimierung

Ein wesentlicher Anlass für den Verkauf von Kreditforderungen ergibt sich aus aufsichtsrechtlichen und kapitalbezogenen Anforderungen. Deutsche Banken unterliegen strengen Vorgaben hinsichtlich Eigenkapitalquote, Leverage Ratio sowie interner und externer Stresstests. Steigt die Kapitalbindung durch risikogewichtete Aktiva (RWA), kann der gezielte Abbau von Kreditengagements eine effektive Maßnahme sein, um regulatorische Kennzahlen zu verbessern.

Durch den Verkauf ausgewählter Kreditforderungen lassen sich RWA reduzieren, Kapital freisetzen und regulatorische Spielräume schaffen – ohne das operative Neugeschäft einzuschränken oder frisches Eigenkapital aufnehmen zu müssen. Gerade in Phasen verschärfter Aufsicht oder bei veränderten regulatorischen Erwartungen ist dies ein entscheidender Vorteil.

Verschlechterung der Kreditqualität als Auslöser

Ein weiterer zentraler Zeitpunkt für den Forderungsverkauf ist erreicht, wenn sich die Qualität einzelner Kredite oder ganzer Portfolios spürbar verschlechtert. Indikatoren hierfür sind unter anderem:

  • anhaltende Zahlungsrückstände

  • erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeiten

  • Covenant-Brüche

  • negative Branchen- oder Konjunkturentwicklungen

Insbesondere bei Non-Performing Loans (NPL) oder sogenannten „unlikely-to-pay“-Engagements kann ein frühzeitiger Verkauf wirtschaftlich sinnvoll sein. Er ermöglicht es, zusätzliche Wertberichtigungen, steigende Verwaltungskosten und langfristige Rechtsrisiken zu begrenzen. Ein aktives, antizipatives Vorgehen ist dabei häufig deutlich effizienter als ein späterer Notverkauf.

Strategische Neuausrichtung des Kreditportfolios

Banken sollten Kreditforderungen auch dann veräußern, wenn diese nicht mehr zur langfristigen Geschäftsstrategie passen. Dies betrifft etwa:

  • Engagements in nicht-kernrelevanten Branchen

  • regionale Exposures außerhalb des strategischen Fokus

  • Legacy-Portfolios aus früheren Wachstumsphasen

  • Kredite mit unattraktivem Risiko-Rendite-Profil

Der Forderungsverkauf ermöglicht eine gezielte Bereinigung und Fokussierung des Portfolios. Ressourcen können auf margenstärkere, risikoärmere oder strategisch relevante Geschäftsbereiche konzentriert werden. Gleichzeitig verbessert sich die Transparenz und Steuerbarkeit des Gesamtportfolios.

Liquiditätsmanagement und Refinanzierung

In Zeiten erhöhter Marktunsicherheit oder steigender Refinanzierungskosten spielt auch das Liquiditätsmanagement eine zentrale Rolle. Der Verkauf von Kreditforderungen kann kurzfristig Liquidität freisetzen und die Abhängigkeit von externen Refinanzierungsquellen reduzieren.

Darüber hinaus lassen sich durch den Abbau bestimmter Engagements laufende Kosten für Überwachung, Restrukturierung und Inkasso senken. Dies wirkt sich unmittelbar positiv auf die operative Effizienz und die Kostenstruktur der Bank aus – ein Aspekt, der insbesondere in margenschwachen Marktphasen an Bedeutung gewinnt.

Operative Entlastung und Risikoreduktion

Neben bilanziellen Effekten bietet der Forderungsverkauf auch operative Vorteile. Komplexe oder problembehaftete Kreditengagements binden erhebliche personelle und organisatorische Ressourcen. Durch die Auslagerung solcher Risiken können sich Banken stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, Entscheidungsprozesse verschlanken und interne Kapazitäten gezielt einsetzen.

Gleichzeitig reduziert sich die Risikokonzentration im Portfolio, was zu einer stabileren Risikostruktur und einer verbesserten Planbarkeit führt.

Fazit: Forderungsverkauf als strategisches Steuerungsinstrument

Der Verkauf von Kreditforderungen ist für Banken in Deutschland weit mehr als eine reaktive Maßnahme in Krisensituationen. Er stellt ein strategisches Instrument der aktiven Bilanz-, Risiko- und Kapitalsteuerung dar. Banken sollten regelmäßig prüfen, ob regulatorische, wirtschaftliche oder strategische Gründe für eine Veräußerung einzelner Kreditengagements oder ganzer Portfolios sprechen.

Ein frühzeitig geplanter, strukturierter und marktorientierter Forderungsverkauf kann wesentlich dazu beitragen, die Kapitalbasis zu stärken, Risiken zu reduzieren und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Ein professionell begleiteter Verkaufsprozess schafft Transparenz, Rechtssicherheit und optimale Marktpreise – und ist damit ein entscheidender Erfolgsfaktor für nachhaltige Kreditportfoliostrategien.

Dieser Artikel wurde verfasst von Timur Peters

Timur Peters is the founder of Debitos GmbH. He holds a diploma in finance and law. He is Expert of the NPL Advisory Panel at the European Commission in Brussel and has more than 20 years’ experience in the range of finance.
Before Founding Debitos Timur Peters was responsible in the distribution of Software for Banks and Financial Institutions for Comarch for the D/A/CH Region. Next to this he has worked for several years as a self employed Project Consultant in the area of Financing of Litigation cases, Peer2-Peer Credit Marketplaces and other online projects for financial institutions.

Website:
https://www.debitos.com

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