Januar 20, 2021 1:29 pm

Vorbereitung auf den Sturm danach: Szenarioplanung und Digitalisierung

Im Bankensektor braut sich ein Sturm zusammen. Viele der Variablen sind vorhersehbar; zum Beispiel können Aufsichtsbehörden und Analysten vorhersehen, welche Banken, Branchen und Gerichtsbarkeiten wahrscheinlich die größten Belastungen durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie erfahren werden. Es gibt viele andere Variablen, die weniger klar erkennbar sind; zum Beispiel die nachhaltige Wirkung und die globale Verteilung von Covid-19-Impfstoffen; zukünftige nationale Regierungs- und europäische Maßnahmen zur weiteren Abschwächung der finanziellen Belastung. Zum jetzigen Zeitpunkt können die meisten der bekannten und unbekannten Variablen bewertet werden, um den Banken, Aufsichtsbehörden und Investoren zu helfen, sich auf den kommenden NPL-Zyklus vorzubereiten. Eine Kombination aus Szenarioplanung und Digitalisierung der Infrastruktur wird viel dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit der Banken zu stärken und den Sektor so zu positionieren, dass er die langfristige Erholung der Kreditnehmer unterstützt.

 

Risikovorsorge und Altrisiken

In erster Linie haben die Banken ihre Rückstellungen aufgestockt. In Anlehnung an die Bereitschaft der Regierung, Unternehmen durch öffentliche Programme zu unterstützen, reduzierten die Banken dann im dritten Quartal die Risikovorsorge. Dieser Trend wurde durch das Vorziehen von Kreditverlusten im ersten Halbjahr und ein europaweites Dividendenverbot unterstützt. Die Trendwende hin zu einer höheren Risikovorsorge im letzten Quartal ist jedoch nicht ausgeschlossen. Im Endeffekt wird dies am Erfolg der Lockdowns, der Verteilung von Impfstoffen und deren nachhaltige Wirkung, sowie auch an der Auflösung, Verlängerung oder Nachfolge von öffentlichen Programmen und den Moratorien für Insolvenzanmeldungen ausgerichtet sein.

Die Fähigkeit der Banken, Ausfälle von Corona-Krediten zu absorbieren, wird von den bestehenden NPLs aus der Zeit vor der Pandemie abhängen, einschließlich des Ausmaßes, in dem für diese Rückstellungen gebildet worden sind. Die Entwicklung spaltet sich entlang des bekannten Nord-Süd-Gefälles, wobei die Banken in Spanien, Italien und Portugal deutliche Fortschritte gemacht haben. Die spanischen NPL-Quoten fielen im ersten Quartal auf 3,1 %, während die entsprechenden Quoten in Italien und Portugal zwar immer noch über 6 % lagen, sich aber zwischen 2016 und 2020 mehr als halbiert hatten. Laut einer Analyse von ING dürften die NPLs in Griechenland, Zypern, Italien, Portugal und Irland die größten Herausforderungen darstellen. Gleichzeitig werden die geringsten Probleme in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Finnland erwartet. Somit könnte Covid-19 den Ländern und Bankensektoren, die am wenigsten in der Lage sind, damit umzugehen, mehr finanzielle Belastung aufbürden.

Digitalisierung

Es wird oft gesagt, dass die Banken besser kapitalisiert sind als vor der globalen Finanzkrise, was den Sektor günstiger positioniert als in der Krise vor einem Jahrzehnt. Das ist zwar richtig, aber es überschätzt die Widerstandsfähigkeit des Sektors.  Die Banken werden auch durch ein Jahrzehnt sinkender Rentabilität bei der Kreditvergabe belastet, was zum Teil auf mehr als zehn Jahre extrem niedriger Zinssätze zurückzuführen ist. Daher müssen die Banken sowohl die zinsunabhängigen Erträge steigern (d.h. gebührenbasierte Mandate wie M&A, IPOs, Bookrunning, Corporate Finance-Beratung, Hedging und Devisenhandel), sowie auch ihre Kosteneffizienz steigern. Zusammen genommen haben diese Herausforderungen den Bankensektor in Richtung Digitalisierung gedrängt, um die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells, die Effizienz und letztlich die Rentabilität zu unterstützen. Die Pandemie hat die Notwendigkeit und Attraktivität von Investitionen in neue Technologien nur noch verstärkt, da sowohl die Privat- als auch die Firmenkunden während des Ausfalls verstärkt auf digitales Banking angewiesen waren. Außerdem haben die Banken bereits Erfahrungen mit der digitalen Transformation von Prozessen gesammelt, auch bei dem Management von Kunden, Deals und Mitarbeitern in dieser Zeit der Fernarbeit. Dies hat die Effizienz des digitalisierten Prozess-Managements erhöht, was wahrscheinlich weitere Investitionen anspornen wird.

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und die Europäische Kommission haben die Idee eines losen Netzwerks von europaweit zusammenarbeitenden Bad Banks (Asset Management Companies) ins Spiel gebracht. Es bliebe den EU-Mitgliedsstaaten selbst überlassen, eine Asset Managament Company zu gründen.  Diejenigen, die dies tun, würden sich mit Hilfe von Technologieplattformen koordinieren, um Datenqualität, Transparenz und Transaktionseffizienz zu verbessern. All dies könnte dazu beitragen, den den Bid-Ask Spread zu verringern und das NPL-Investorenuniversum zu vergrößern. Eine neue NAMA oder eine SAREB-ähnliche Bad Bank könnte das Forderungsmanagement, die Verwertung von Kreditsicherheiten, und die Restrukturierung  zentralisieren. Sie könnte auch die Tür für privates Kapital öffnen, was den Banken erlauben würde, ihre Bilanzen zu entlasten, um neue Kreditvergabe an KMUs zu unterstützen.

Die Digitalisierung des Bankensektors ist ein hochgestecktes Ziel, aber auch ein zunehmend unausweichliches. Sie erfordert von den einzelnen Banken die Modernisierung vieler veralteter Prozesse, einschließlich der Verbesserung des Forderungsmanagements, sowie die Einführung von Software zwischen Handelspartnern um über universelle Datensätze miteinander zu kommunizieren. Es ist sowohl eine Chance als auch eine Notwendigkeit. Wenn Sie mit Debitos über den Weg Ihres Unternehmens in die Digitalisierung sprechen möchten, nehmen Sie noch heute Kontakt mit uns auf und wir helfen Ihnen, die Umstellung zu beschleunigen.

Dieser Artikel wurde verfasst von Timur Peters

Timur Peters ist der Gründer der Debitos GmbH. Er hat ein Diplom in Wirtschaftsrecht (FH), Schwerpunkt Bank- und FDL-Recht.
Er hat mehr als 10 Jahre Erfahrung im Finanzbereich. Vor der Gründung von Debitos war er verantwortlich für den Vertrieb von Software an Banken und Finanzdienstleister in der Region D/A/CH für die Firma Comarch. Neben dem hat er mehrere Jahre als selbständiger Berater bei der Finanzierung von Prozesskosten, Peer2Peer-Kreditmarktplätzen und anderen Online-Projekten für Banken gearbeitet.

Website:
https://www.debitos.com

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