März 13, 2020 1:02 pm

Finanzwelt im Corona-Würgegriff

Die Coronakrise hält die Welt in Atem und hat längst die europäische Finanzbranche erreicht. Zwar ist es noch viel zu früh, um fundierte Aussagen über die tatsächlichen Folgen der Pandemie für Europas Banken und Unternehmen zu treffen. Dass es zu längerfristigen Verwerfungen kommt, erwarten die Branchenexperten zumindest aktuell nicht.

Der 9. März wird wohl als „schwarzer Montag“ in die Geschichte eingehen. Weltweit legten die Börsen an diesem Tag eine bemerkenswerte Bruchlandung hin, ausgelöst vor allen Dingen vom sich immer weiter ausbreitenden Coronavirus und einem sinkenden Ölpreis. Der Schock sitzt nach wie vor tief. Dass die Coronapandemie Europa und die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise wie im Jahr 2008 stürzt, glaubt Marcel Fratzscher allerdings nicht. „Damals gab es ein grundlegendes Problem im Finanzsystem mit einer systemischen Bedeutung für die Volkswirtschaft. Heute geht es um einen Einbruch in der Realwirtschaft, der aber nicht strukturell bedingt ist“, erklärt der Leiter des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Interview mit der taz.

Stabileres Bankensystem als 2008

Dieser Meinung ist auch Peter Riedel, Head of Illiquid Products von Debitos: „Es wird definitiv zu einer Rezession kommen – für diese Aussage muss man anhand der aktuellen Entwicklungen kein Prophet sein. Wir glauben aber, dass die Wirtschaft nur kurzfristig in Mitleidenschaft gezogen wird und dann schnell wieder anzieht.“ Besonders den Banken kommt in dieser Situation natürlich eine besondere Bedeutung zu – und die Geldhäuser stehen heute wesentlich besser da, als noch vor der Eurokrise: „Die Aufsichten haben in den vergangenen Jahren den Druck auf die Banken massiv erhöht. Das schlägt sich heute beispielsweise in höheren Eigenkapitalquoten aus. Auch die Zentralbanken werden die Banken in der aktuellen Schwächephase weiter stützen“, erklärt Riedel.

Auch die Ratingagentur Moody’s glaubt, dass die europäischen Banken eine kurzfristige Schwächephase unbeschadet überstehen würden, wie das Handelsblatt berichtet. Sollte die Krise allerdings länger dauern, könnte es vermehrt zu Kreditausfällen kommen – besonders bei kleineren und mittleren Unternehmen. Schon jetzt sind die Kosten für eine Refinanzierung deutlich gestiegen. Der iTraxx Crossover Index für Unternehmen mit BBB- oder BB-Rating ist innerhalb kürzester Zeit von 215 Basispunkten auf mittlerweile über 600 Basispunkte hochgeschnellt, eine gute Indikation für eine gewachsene Unsicherheit im Finanzierungsmarkt. Paul Watters, Kreditexperte von S&P Global, warnt, dass angesichts der jüngsten Kursturbulenzen auch mit zunehmend riskanteren Finanzierungsarten gerechnet werden müsse.

Hilfe von außen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat bereits betont, dass die Regierung Maßnahmen ergreifen wird, um durch das Coronavirus geschädigte Unternehmen in Deutschland zu stützen: „Wir wollen, dass möglichst kein Unternehmen in Deutschland nur aufgrund der Corona-Epidemie in die Insolvenz gehen muss“, sagte er nach einem Treffen mit den Wirtschaftsministern der Länder in Berlin. Die EU vermeldet ebenfalls, dass sie den europäischen Unternehmen im Krisenfall zur Seite stehen will. Die Mitgliedstaaten planen die Aufsetzung eines eigenen Corona-Fonds im Umfang von 25 Milliarden Euro, der das Gesundheitswesen und die Unternehmen unterstützen soll. Auch die EZB wird ab Juni ein neues Geschäftsbanken-Programm namens TLTRO III starten, das besonders kleinen und mittleren Unternehmen helfen soll.

Für Finanzinvestoren bietet der Corona-Dip aktuell Kaufgelegenheiten. Die Singener Investmentboutique TBF Global Asset Management hat nach dem Börsensturz in allen Aktienfonds neu investiert. Geschäftsführer Peter Dreide erklärt, die Corona-Verluste an der Börse seien der Nährboden für die massiven Käufe gewesen. Auch Apollo-Chef Leon Black sagte auf dem diesjährigen Branchentreffen „Super Return“, dass ein Abschwung für sein Unternehmen nicht schlecht wäre. Während der Finanzkrise 2008 habe Apollo innerhalb kürzester Zeit 50 Milliarden Dollar investiert. Sollte es zum Abschwung kommen, würde man dieses Mal wieder solche Summen investieren, betonte er.  Jason Thomas vom Finanzinvestor Carlyle sagte ebenfalls, dass Kredite in Krisen unterbewertet seien: „Das schafft Kaufgelegenheiten.“ Wie sich die Coronakrise aber tatsächlich mittel- bis langfristig beispielsweise auf den Distressed-Bereich auswirkt, steht laut Debitos-Manager Peter Riedel noch in den Sternen: „Die Kreditmärkte korrelieren stark mit den Aktienmärkten. Wenn also an der Börse eine Entspannung zu erkennen ist, wird das auch positive Folgen für den Kreditmarkt haben. Wenn die Krise allerdings länger dauert, wird es natürlich auch vermehrt zu Ausfällen kommen.“

Dieser Artikel wurde verfasst von Jens Secker

(Bildrechte: istockphoto.com/Diy13)

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