Oktober 15, 2020 9:01 am

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Bevorstehende NPL-Welle in Europa beschleunigt Vorstoß zur Einführung digitaler Transaktionsplattformen

Europäische Banken bereiten sich auf eine neue Welle von notleidenden Krediten (NPL‘s) ab Anfang nächsten Jahres vor. Ein Grund dafür ist, dass dann die im Zuge der Coronakrise staatlich vergebenen Kredite zum Teil nicht mehr verlängert werden. Sobald sich die staatliche Unterstützung verringert, werden sich die Kreditausfälle, Unternehmensinsolvenzen und Privatinsolvenzen deutlich erhöhen und es wird sich eine Abwärtsspirale bilden. Die Pandemie hat die europäischen Volkswirtschaften hart und ungleichmäßig getroffen – und ein Großteil der Folgen steht noch bevor.

Während die EU-Banken heute deutlich besser kapitalisiert sind als nach der Finanzkrise von 2008, würde ein schwerer wirtschaftlicher Abschwung dazu führen, dass es den Banken wesentlich schwieriger fällt, Kredite an Unternehmen und Haushalte zu vergeben. Eine Verschlechterung der Qualität von bereits vergebenen Krediten führt zu einem höheren NPL-Volumen und zu steigenden Rückstellungen, wodurch die Kreditvergabekapazität eingeschränkt wird. „In den kommenden Jahren könnte die Krise in allen unseren Ländern eine beträchtliche Anzahl neuer NPL‘s schaffen“, warnte bereits Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der Europäischen Kommission. Die Europäische Zentralbank hat bereits das mögliche Ausmaß einer neuen NPL-Welle simuliert, die durch die Pandemie ausgelöst wurde. Laut Andrea Enria, Vorsitzende des EZB-Aufsichtsrats, könnte der Bestand an notleidenden Krediten in einem stress Szenario auf bis zu 1,4 Billionen Euro steigen, was die Auswirkungen der Finanzkrise übersteigen würde. Folglich wird ein verbesserter Sekundärmarkt für NPL’s die Kapitalbeschränkungen der Banken verringern, und somit die wirtschaftliche Erholung in der gesamten EU unterstützen wodurch wieder eine höhere Kreditvergabe möglich ist.

Um die bevorstehende NPL-Flut zu bewältigen und um die Erholung der Mitgliedsstaaten zu unterstützen, erwägt die EZB derzeit zusammen mit der EBA und anderen Aufsichtsbehörden explizite Empfehlungen an die NPL-Interessensgruppen herauszugeben, um „unter bestimmten Voraussetzungen“  europäische NPL- Transaktionsplattformen einzuführen. Die EZB ist der Meinung, dass Transaktionsplattformen „das Potenzial haben, einen aktiven, liquiden und effizienten Sekundärmarkt für NPL’s in Europa zu schaffen“. NPL-Transaktionsplattformen würden die notwendige Infrastruktur bereitstellen, um die Banken beim direkten Ausstieg zu unterstützen: Direktvertrieb; Verbriefung; und über ein Netzwerk von nationalen Bad Banks (AMC’s). Debitos und DebtX waren die einzigen beiden Unternehmen, ihre NPL-Transaktionsplattformen dem am 25. September 2020 abgehaltenen Round Table der Europäischen Kommission  vorzustellen.

Die Herangehensweise der EZB ist ein Eingeständnis, dass der europäische NPL-Sekundärmarkt im Vergleich zu denen der USA und China eher moderat ist in Bezug auf die Größe und Liquidität. Gleichzeitig sind die Bid-Ask-Spreads häufig hoch und regulatorische Hindernisse behindern die Verbriefung von NPL’s. Auch wird deutlich, dass bisherige freiwillige Maßnahmen zur Verbesserung der NPL-Datenqualität und Transparenz – wie zum Beispiel die Daten-Templates der EBA – unwirksam waren. Viele Banken hielten die Vorlagen für zu umständlich und haben keinen Anreiz gehabt diese zu nutzen. Diese fehlenden Anreize waren ein wesentliches Problem bei der Entwicklung des NPL-Sekundärmarktes. Deshalb müssen wesentlich stärkere Anreize geschaffen werden, gestützt von direkten Empfehlungen, um den Fortschritt zu beschleunigen. Die aktuelle globale Krise hat die Aufmerksamkeit und Dringlichkeit erhöht, Fortschritte zu erzielen, bevor die nächste NPL-Welle eintrifft. In letzter Zeit hat das European Data Warehouse der EZB einige Fortschritte gemacht, Banken zu überzeugen Daten-Templates zu nutzen, indem der Umfang nur noch auf „entscheidende Datenfelder“ begrenzt wurde. In der Zukunft könnte der Konsens über die Datenvorlagen auch von den Transaktionsplattformen übernommen werden. Es ist auch geplant einen Marktplatz im „Amazon-Style“ einzurichten, wodurch der Markt auch für Käufer kleinerer Portfolios geöffnet wird und somit nicht nur die wenigen großen und führenden NPL-Investoren teilnehmen können.

NPL-Transaktionsplattformen bieten symmetrischen Zugriff auf zuverlässige, detaillierte und leicht verfügbare standardisierte Informationen zur Qualität von verschiedenen Assets und Kreditportfolios in Banken. Diese Vorteile werden zwischen Verkäufern, Käufern, Beratern, Regulierungs- und Aufsichtsbehörden geteilt, wodurch gleichzeitig der Schutz der zugrunde liegenden Kreditnehmer verstärkt wird. Zu den Vorteilen gehören auch geteilte und verringerte Transaktionskosten, eine weit gestreute Investorenbasis, weniger Fälle von Marktversagen, wie zum Beispiel durch Informationsasymmetrie und eine stärkere Koordinierung der Gläubiger.

All dies sollten gute Anreize sein, damit NPL-Verkäufer, Käufer, Regulierungs- und Aufsichtsbehörden, Berater und Technologiedienstleister sich aufeinander abstimmen. Der Nettoeffekt sollte sein, dass die Bid-Ask-Spreads sinken, die Ausführungsgeschwindigkeit und -aktivität von NPL-Transaktionen erhöht wird und der Marktpreis steigt. Diese Vorteile sollten die Banken dazu bewegen, NPL-Verkäufe über Transaktionsplattformen zu managen, standardisierte Datenvorlagen einzuführen und dadurch die NPL-Daten und die Offenlegung von Informationen insgesamt zu verbessern.

Diese Verbesserungen der standardisierten und vergleichbaren Daten könnten wiederum das Vertrauen der Investoren in die Verbriefung von NPL’s stärken und weitere Synergien zwischen nationalen Asset Managern (AMC’s) und den Transaktionsplattformen entstehen lassen. Die EZB schlug vor, dass dieses Zusammenspiel wie folgt aussehen könnte „ein Hub-and-Spoke-Modell, bei dem ein zentralisiertes europäisches Hub eine Data-Warehouse-Funktion übernehmen und relevante Daten aus ganz Europa zusammenführen könnte“.

Dieser Artikel wurde verfasst von James Wallace

James WallaceJames Wallace is an editor, journalist, researcher and corporate writer on economics, geopolitics, finance, real estate, private equity, aviation, infrastructure and technology. He co-founded CoStar News in the UK in April 2011, and now works for multiple media organisations and corporations across writing, research, marketing/PR and consulting. He is an aspiring psychologist.

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