März 17, 2020 2:04 pm

„Die Ausgangslage ist nicht komfortabel“

Felix Hufeld weiß, was die Stunde geschlagen hat: Die Ausbreitung des Coronavirus ist eine erhebliche Belastung für den Finanzmarkt und die deutschen Banken, betont der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ein systemisches Risiko sieht er allerdings nicht. Felix Hufeld…

…über die Ausbreitung des Coronavirus: „Aktuell stellt Corona eine erhebliche Belastung, für die Finanzbranche aber kein systemisches Risiko dar. Die Banken und wir Aufseher müssen wachsam bleiben. Wir sind natürlich an der Sache dran.“

… über eine mögliche Lockerung der aktuellen Finanzmarktregeln: „Wir haben bereits am vergangenen Donnerstag im SSM festgestellt, dass wir keine Notwendigkeit für ein Aufweichen regulatorischer Anforderungen sehen. Zugleich haben wir aber deutlich zum Ausdruck gebracht, dass wir aufsichtlich in hohem Maße flexibel reagieren können und werden. Das gilt insbesondere für Kapitalpuffer.“

…über eine drohende Rezession und daraus folgende Kreditausfälle: „Wir sind dabei, die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft zu analysieren. Welche Branchen und Bankkunden leiden besonders stark? In welchem Sektor droht ein Anstieg der Kreditausfälle? Grundsätzlich gilt: Wenn einzelne Firmen ihre Darlehen nicht bedienen können, können Banken das gut verkraften. Flächendeckende Kreditausfälle und Firmenpleiten wegen Corona sollten aufgrund der Liquiditätshilfen deutlich weniger wahrscheinlich geworden sein.“

…über die generelle Lage der deutschen Banken: „Die Ausgangslage der deutschen Banken ist nicht komfortabel. Die Ertragslage ist nach wie vor nicht zufriedenstellend. Und die Kosten sind branchenweit zu hoch. Kurzfristige Abhilfe auf der Ertragsseite ist nicht erkennbar. Banken müssen deshalb harte Einschnitte vornehmen, weniger komplex werden und Kosten senken.“

…über den Umbau der Sparkassen-Finanzgruppe: „Niemand weiß besser als Herr Schleweis, dass er sich auf einen Marathon begibt. Aber auch ein Marathon beginnt mit den ersten Schritten. Ich finde es ehrenhaft und richtig, mit welcher Klarheit und Konsequenz Schleweis diesen Weg vorgibt.“

…über grenzüberschreitende Bankenfusionen in Europa: „Viele Banken können und müssen intern noch zahlreiche Hausaufgaben erledigen. Zudem müssen Käufer von Banken ihren Aktionären erklären können, warum eine Übernahme für sie attraktiv ist – und das dürfte auf kurze Sicht schwerfallen. Aus meiner Sicht ist es gut, wenn Banken die nächsten ein, zwei Jahre nutzen, um sich entweder als Braut herauszuputzen oder sich als Konsolidierer zu stärken. Es bringt nichts, grenzüberschreitende Fusionen immer wieder herbeizureden. Zusammenschlüsse müssen sich auch ökonomisch rechnen.“ Handelsblatt/Paywall

Dieser Artikel wurde verfasst von Jens Secker

(Bildrechte: istockphoto.com/MarkusBeck)

zurück