{"id":388,"date":"2011-08-24T12:38:44","date_gmt":"2011-08-24T11:38:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.debitos.de\/blog\/?p=388"},"modified":"2011-08-24T12:38:44","modified_gmt":"2011-08-24T11:38:44","slug":"sport-wirtschaft-der-verschuldete-fusball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/news\/sport-wirtschaft-der-verschuldete-fusball\/","title":{"rendered":"SPORT &amp; WIRTSCHAFT &#8211; Der verschuldete Fu\u00dfball"},"content":{"rendered":"<p>Der Streik im spanischen Fu\u00dfball offenbart die Schattenseiten des fu\u00dfballerischen Turbokapitalismus: Spieler erhalten teilweise keine Geh\u00e4lter mehr, weil die Klubs hoch verschuldet sind. Es droht der Kollaps.<br \/>\nWeltmeister sind sie, Europameister auch, Champions League-Sieger sowieso und die drei weltbesten Fu\u00dfballer des Jahres 2010 Messi, Iniesta und Xavi spielen nat\u00fcrlich auch hier: in Spanien, dem derzeit dominanten und so stolzen Fu\u00dfballland. Doch die Erfolge des spanischen Fu\u00dfballs scheinen in diesen Tagen ihren Glanz etwas verloren zu haben. Denn angesichts der gewaltigen Schulden-Zahlen wirkt der spanische Fu\u00dfball wie eine gigantische Seifenblase: Gro\u00df, sch\u00f6n, bunt &#8211; aber kurz vor dem Platzen.<br \/>\n50 Millionen Euro an Geh\u00e4ltern schulden die Klubs rund 200 Spielern und die sind daher in den Streik getreten. Der erste Spieltag fiel bereits aus, der zweite steht kurz vor der Absage. Zwar handelt es sich bei den Geprellten meist um gut bezahlte Profis, doch auch f\u00fcr die haben ausgefallene Gehaltszahlungen Folgen. &#8220;Bei uns mussten einige Spieler ihre Autos verkaufen, um \u00fcber die Runden zu kommen. Andere haben kein Geld f\u00fcrs Benzin&#8221;, sagte\u00a0<strong>David Aganzo<\/strong>, der f\u00fcr<em>\u00a0Rayo Vallecano<\/em>\u00a0st\u00fcrmt, einem Verein, der Insolvenz anmelden musste. Probleme, wie sie auch\u00a0<strong>Gerhard Poschner<\/strong>\u00a0kennt. Der ehemalige Bundesligaprofi war elf Monate lang\u00a0<em>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei Real Saragossa<\/em>. Dann k\u00fcndigte er, weil er die Gesch\u00e4ftsgebaren des Klubs nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte.<br \/>\nDas Schulden-System des spanischen Fu\u00dfballs funktioniert in etwa so: Teure Spieler werden gekauft, hohe Geh\u00e4lter gezahlt, die insgesamt die Einnahmen aus Sponsoren-, Abl\u00f6se- und TV-Vertr\u00e4gen weit \u00fcberschreiten. Was dann geschieht, klingt f\u00fcr jeden Fan schmerzhaft: Der Verein muss Insolvenz anmelden. In der Bundesliga w\u00fcrde dies auch einen Zwangsabstieg bedeuten, in Spanien nicht unbedingt. Denn spanische Fu\u00dfballvereine k\u00f6nnen die Zwangsversetzung vermeiden, wenn sie 50 Prozent der Schulden zahlen. Mit anderen Worten: Man verschuldet sich munter, zahlt am Ende die H\u00e4lfte davon und ist seine Sorgen los. 21 Vereine der 1. und 2. spanischen Liga meldeten in den vergangenen Jahren Konkurs an und machten ihren profitablen Schuldenschnitt.<br \/>\nDie Probleme des spanischen Fu\u00dfballs sind auch struktureller Natur: Die &#8220;Gro\u00dfen&#8221; Real Madrid und FC Barcelona profitieren unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig stark im Vergleich zu den kleineren Klubs. Ein Beispiel: In der Saison 2009\/2010 nahmen die spanischen Klubs insgesamt 600 Millionen Euro aus dem Verkauf der TV-Rechte ein. Eine stolze Summe, von der aber mehr als die H\u00e4lfte an den FC Barcelona (158 Mio. Euro) und Real Madrid (136 Mio. Euro) ging. Den Rest mussten sich die 40 anderen Klubs der ersten und zweiten Liga teilen.<br \/>\nDie beinahe hoffnungslose \u00dcberschuldung des spanischen Fu\u00dfballs h\u00e4tte verhindert werden k\u00f6nnen &#8211; durch ein Lizenzierungssystem, das diesen Namen auch verdient. In Deutschland gilt die strenge Lizenzierungsordnung der\u00a0<strong>Deutschen Fu\u00dfball Liga (DFL)<\/strong>, die finanzielle Eskapaden der Vereine wirkungsvoll verhindert. Zwar dr\u00fccken vor allem den FC Schalke 04 hohe Schulden, doch der Rahmen der DFL ist deutlich enger f\u00fcr verschuldete Vereine. Nach deutschen Richtlinien w\u00fcrden die meisten spanischen aber auch englischen Fu\u00dfballklubs keine Profilizenz erhalten.<br \/>\nNun mehren sich die Stimmen wie die des \u00d6konomen\u00a0<strong>Juan Francisco Corona<\/strong>, die ein Eingreifen des europ\u00e4ischen Verbandes UEFA fordern: &#8220;Die spanischen Instanzen sind nicht bereit, Sanktionen gegen \u00fcberschuldete Vereine zu verh\u00e4ngen. Die L\u00f6sung muss von der UEFA kommen.&#8221;\u00a0<strong>UEFA-Pr\u00e4sident Michel Platini<\/strong>\u00a0hat bereits ein Konzept vorgestellt, das allerdings noch keine Anwendung findet. &#8220;<strong>Financial Fair Play<\/strong>&#8221; soll aber ab 2012 greifen und k\u00f6nnte den europ\u00e4ischen Fu\u00dfball revolutionieren.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Quelle:<\/strong><\/span><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.dw-world.de\/dw\/article\/0,,15340055,00.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.dw-world.de\/dw\/article\/0,,15340055,00.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Streik im spanischen Fu\u00dfball offenbart die Schattenseiten des fu\u00dfballerischen Turbokapitalismus: Spieler erhalten teilweise keine Geh\u00e4lter mehr, weil die Klubs hoch verschuldet sind. Es droht der Kollaps. 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