{"id":18932,"date":"2019-11-20T11:22:58","date_gmt":"2019-11-20T10:22:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.debitos.com\/?p=18932"},"modified":"2019-11-19T14:30:17","modified_gmt":"2019-11-19T13:30:17","slug":"inkasso-umfrage-verbraucher-zahlen-besser-als-unternehmensschuldner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/news\/inkasso-umfrage-verbraucher-zahlen-besser-als-unternehmensschuldner\/","title":{"rendered":"Inkasso-Umfrage: Verbraucher zahlen besser als Unternehmensschuldner"},"content":{"rendered":"<p>Trotz der schwachen Konjunktur ist die Zahlungsmoral im Herbst 2019 weiterhin gut. Das melden jetzt die Inkassounternehmen. In ihrer <a href=\"https:\/\/www.inkasso.de\/presse\/zahlungsmoral\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuellen Umfrage<\/a> antworten 55 Prozent: Rechnungen werden jetzt genauso gut wie im vergangenen Jahr bezahlt. Grund sind die zahlungskr\u00e4ftigen und konsumfreudigen Verbraucher. Deren Zahlungsverhalten hat sich sogar leicht verbessert, wie 23\u00a0Prozent der Inkassodienstleister sagen. F\u00fcr gewerbliche Schuldner best\u00e4tigen das nur 18 Prozent.<\/p>\n<p>Dennoch warten Gl\u00e4ubiger auf Zahlungen von Verbrauchern etwas l\u00e4nger (Durchschnitt: 80,82 Tage) als auf das Geld von B2B-Schuldnern (72,34\u00a0Tage). Problematisch ist vor allem das Zahlungsverhalten j\u00fcngerer Verbraucher zwischen 18 und 24 Jahren. Sie haben h\u00e4ufig Konsum\u00adschulden bei Onlineh\u00e4ndlern (89\u00a0Prozent der Inkasso\u00adunternehmen best\u00e4tigen das) sowie Telekomfirmen (80 Prozent). \u00c4ltere Schuldner stehen dagegen eher bei Banken und Kreditinstituten in der Kreide.<\/p>\n<p>Am meisten unter laxen Zahlern leidet derzeit der Onlinehandel \u2013 54\u00a0Prozent der Inkassounternehmen berichten, dass E-Commerce-Kunden Rechnungen aktuell besonders schlecht bezahlen. Probleme haben ebenfalls Energieversorger (38), Vermieter (37), das Handwerk (36), Fitnessstudios (34) sowie die Dienstleistungsbranche allgemein (laut 28 Prozent der Umfrageteilnehmer).<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde, warum Verbraucher Rechnungen nicht bezahlen, haben sich stark gewandelt. Inzwischen beobachten nur noch 31 Prozent der Inkassounternehmen daf\u00fcr Arbeitslosigkeit als urs\u00e4chlich. Vor einigen Jahren war das stets die Top-Antwort. Jetzt dagegen stellen drei von vier Inkassounternehmen (73\u00a0Prozent) fest: Privatschuldner gehen zu sorglos und oft un\u00fcberlegt Konsumverbindlichkeiten ein. Zweith\u00e4ufigster Nichtzahlgrund (60\u00a0Prozent) ist \u00dcberschuldung. Allerdings hatten noch vor zwei Jahren 76 Prozent eine entsprechende Angabe in der Umfrage gemacht.<\/p>\n<h4><strong>Geplantes Inkassogesetz w\u00fcrde Zahlungsmoral verschlechtern \u2013 \u201eBedrohung f\u00fcr die Wirtschaft\u201c<\/strong><\/h4>\n<p>Druck auf die Zahlungsmoral kommt aktuell durch die Politik. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht will per Gesetz die vom Schuldner als Verursacher zu tragenden Inkassokosten um fast die H\u00e4lfte reduzieren. Betroffen w\u00e4ren vier F\u00fcnftel aller der rund 20 Millionen jedes Jahr neu ins Inkasso \u00fcbergebenen Forderungen. Alleine 2018 f\u00fchrten die Inkassodienstleister 5,8 Milliarden Euro in den Wirtschaftskreislauf zur\u00fcck. Rund eine halbe Million Auftraggeber aus allen Branchen sowie die \u00f6ffentliche Hand arbeitet mit Inkassounter\u00adnehmen zusammen. Sie m\u00fcssten k\u00fcnftig l\u00e4nger auf ihr Geld warten. BDIU-Pr\u00e4sidentin Kirsten Pedd: \u201eDie Halbierung der Inkassokosten ist eine Bedrohung f\u00fcr die Wirtschaft.\u201c<\/p>\n<p>Pedd kritisiert eine \u201eK\u00fcrzung der Inkasso-Einnahmen nach dem Rasenm\u00e4herprinzip. Damit w\u00fcrde sowohl der Schuldner bessergestellt, der einfach nur eine Rechnung vergessen hat, als auch derjenige, der eine Forderung verursacht hat, obwohl er nie vorhatte, sie zu bezahlen, zum Beispiel absichtliche Schwarzfahrer. Das ist ungerecht.\u201c Nicht die Verbraucher w\u00fcrden dadurch gesch\u00fctzt, sondern ausschlie\u00dflich Schuldner, und das zulasten der Gl\u00e4ubiger. \u201eDas scheint mir kaum zu rechtfertigen. Schuldner haben vor der \u00dcbergabe eines Falls ins Inkasso wochen-, oft monatelang Rechnungen und Mahnungen ignoriert.\u201c<\/p>\n<p>Zum Schutz der Verbraucher m\u00fcssten die bestehenden Gesetze durchgesetzt werden. \u201eWir brauchen eine bundesweite B\u00fcndelung der Aufsicht, wie sie vor kurzem ja auch die Verbraucherschutz- und Justizminister der L\u00e4nder gefordert haben\u201c, sagt Pedd. Als koordinierende Stelle schl\u00e4gt sie das Bundesamt f\u00fcr Justiz vor. Zudem arbeitet der BDIU derzeit an einem Code of Conduct. Er konkretisiert die Verhaltenspflichten f\u00fcr Inkassounternehmen. Im April 2020 soll die Mitgliederversammlung des Inkassoverbands den dann fertigen Code beschlie\u00dfen. \u201eDamit setzen wir Standards f\u00fcr die gesamte Branche.\u201c<\/p>\n<h4><strong>Weniger Verbraucherinsolvenzen \u2013 weil viele auf Gesetz zur schnelleren Restschuldbefreiung warten<\/strong><\/h4>\n<p>Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen nimmt aktuell weiter ab. F\u00fcr dieses Jahr erwartet der BDIU 66.000 Verfahren (67.597 in 2018). Es k\u00f6nnten aber viel mehr sein. Fast jeder zehnte Erwachsene ist \u00fcberschuldet. \u201eEs gibt einen gro\u00dfen R\u00fcckstau bei den Beratungsstellen\u201c, berichtet BDIU-Pr\u00e4sidentin Kirsten Pedd.<\/p>\n<p>Der Grund: Justizministerin Lambrecht will die Verfahrenslaufzeiten von jetzt sechs auf bald nur noch drei Jahre halbieren. Auf dieses neue Gesetz hoffen viele \u00dcberschuldete \u2013 und warten deshalb mit einem Insolvenz\u00adantrag.<\/p>\n<p>Kirsten Pedd sieht Lambrechts Vorhaben kritisch: \u201eGl\u00e4ubiger werden viel Geld verlieren. Denn in den Jahren vier bis sechs flie\u00dfen rund 70\u00a0Prozent der R\u00fcckzahlungen.\u201c Die Verbandschefin sieht in einer schnelleren Verbraucherinsolvenz falsche Anreize. \u201eEs gibt unredliche Schuldner, die sich dadurch in ihrem schlechten Zahlungs\u00adverhalten best\u00e4rkt f\u00fchlen.\u201c Die Zahl der Verbraucher\u00adinsolvenzen wird daher bald wieder steigen, n\u00e4chstes Jahr seien bis zu 70.000 Verfahren m\u00f6glich. Pedd bef\u00fcrchtet auch, dass es vermehrt zum Dreht\u00fcr\u00adeffekt kommt, also dass Verbraucher nach einer ersten Insolvenz gleich eine zweite oder dritte beantragen. Besser \u2013 auch f\u00fcr die Allgemeinheit \u2013 seien dagegen au\u00dfergerichtliche Einigungen, mit denen sich langwierige und teure gerichtliche Verfahren vermeiden lie\u00dfen.<\/p>\n<h4><strong>Dominoeffekt bei B2B-Zahlungsmoral<\/strong><\/h4>\n<p>Bei gewerblichen Schuldnern beobachten die Inkassounternehmen aktuell den sogenannten Dominoeffekt: 72 Prozent melden, dass Zahlungsausf\u00e4lle bei eigenen Kunden in dieser Gruppe der h\u00e4ufigste Nichtzahlgrund sind. \u00dcberschuldung bzw. Insolvenz f\u00e4llt hier dagegen kaum ins Gewicht. Nur 30 Prozent beobachten dieses als Nichtzahlgrund (letztes Jahr: 39\u00a0Prozent). Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bleibt niedrig. Sie wird sich etwa auf dem Vorjahresniveau einpendeln. Der BDIU erwartet bis Jahresende rund 19.500 F\u00e4lle.<\/p>\n<p>Scharfe Kritik \u00fcben die Inkassodienstleiser am Zahlungsverhalten \u00f6ffentlicher Auftraggeber. Deren Rechnungstreue verharrt auf sehr schlechtem Niveau (89 Prozent best\u00e4tigen das). BDIU-Pr\u00e4sidentin Kirsten Pedd kann das nicht nachvollziehen: \u201eDie Einnahmen durch Steuern und Abgaben sind gut, das Geld ist also da. Teilweise fehlt schlicht das Personal in den Beh\u00f6rden, um Auftr\u00e4ge abzunehmen und Rechnungen freizugeben. Es kann aber nicht sein, dass Handwerker oder Baubetriebe ein halbes Jahr oder l\u00e4nger auf das Geld aus \u00f6ffentlichen Auftr\u00e4gen warten m\u00fcssen, gleichzeitig aber die Finanz\u00e4mter sofort die Vorsteuer aus diesen Vertr\u00e4gen kassieren. Manchen Auftragnehmer treibt dieses Verhalten der \u00f6ffentlichen Hand sogar in die Insolvenz. Das ist ein Skandal.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft sind die Inkassounternehmen pessimistisch gestimmt. \u201eEs wird im Moment zu viel f\u00fcr den Schuldnerschutz getan, die Belange der Wirtschaft und der Gl\u00e4ubiger werden vernachl\u00e4ssigt\u201c, kritisiert Kirsten Pedd. \u201eDas funktioniert bei guter Konjunktur, aber nicht mitten in einem Abschwung.\u201c Schlechte Wirtschaftsdaten, Exporthemmnisse etwa durch den Brexit und Gesetzesregulierungen werden daf\u00fcr sorgen, dass sich die Zahlungsmoral 2020 zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder verschlechtert. Damit rechnet eine Mehrheit von 59 Prozent in der Inkasso-Umfrage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zahlungstrend f\u00fcr 2020 negativ, wegen nachlassender Konjunktur und starker gesetzlicher Regulierungen.","protected":false},"author":19,"featured_media":17333,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-18932","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18932","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18932"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18932\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18935,"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18932\/revisions\/18935"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17333"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.debitos.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}