Juli 18, 2018 9:35 am

Solarworld-Insolvenz: Das letzte Kapitel

Eine Kolumne von Peter Riedel, Managing Director der Debitos GmbH

Noch nicht mal ein Jahr nach der Pleite der Solarworld AG, musste Ende März auch das Nachfolgeunternehmen Solarworld Industries Insolvenz anmelden. Jetzt muss ganz schnell ein Investor her, sonst ist das Unternehmen ab September endgültig Geschichte.

Das Scheitern gehört zum Leben dazu – keine Frage. Im besten Fall versucht man daraus seine Lehren zu ziehen und die Dinge beim nächsten Mal besser zu machen. Aber die Frage muss erlaubt sein: Was hat sich Frank Asbeck überlegt, als er die Solarworld Industries GmbH im August 2017 aus der Insolvenzmasse der gescheiterten Aktiengesellschaft auslöste? Ohne grundlegend neues Geschäftsmodell war das ganze Unternehmen wieder dem Untergang geweiht – das war allen Experten sofort klar.

Im März kam es wie es kommen musste und wieder stehen 500 Mitarbeiter der GmbH vor dem Nichts. Das ist der zweite schwere Schlag, den die Männer und Frauen in Arnstadt, Freiberg und Bonn innerhalb eines Jahres verkraften mussten. Jetzt ist klar: Die Chancen, dass sich noch ein Investor findet, gehen gegen null. Meine Gedanken sind bei den Mitarbeitern von Solarworld, die mit voller Hoffnung in ihren neuen Job gestartet sind und jetzt, knapp ein Jahr nach der Neugründung des Unternehmens, aller Voraussicht nach wieder mit leeren Händen dastehen. Die Produktion läuft zwar noch – ab September ist dann aber wohl endgültig Schluss.

Frank Asbeck hat aber nicht nur seinen Mitarbeitern einen Bärendienst erwiesen – die gesamte Solarbranche wird die Auswirkungen der Pleite weiter zu spüren bekommen. Denn die zweite Insolvenz von Solarworld in zwölf Monaten hinterlässt wieder Fragen bei Installateuren und Endkunden: Wie nachhaltig sind die Geschäftsmodelle der Hersteller? Wie sicher sind die Garantien wirklich, die auf die Produkte gewährt werden? Diese Fragen wurden bereits nach der ersten Pleite gestellt, sie werden höchstwahrscheinlich wiederkommen.

Problematisch ist, dass Schuld immer die anderen haben. Auch diesmal gab Asbeck als Gründe für die Insolvenz die asiatische Konkurrenz und die zu niedrigen Preise an. Das war aber auch schon vor der Neugründung so – die Bedingungen am Solarmarkt haben sich nicht grundlegend verändert! Die Hoffnung war groß, dass bei Solarworld etwas Neues entsteht, ein großer Player, der den Turnaround schafft und mit neuem Geschäftsmodell ein wichtiges Aushängeschild der hiesigen Branche wird.

Denn in Deutschland gibt es einige sehr gute Beispiele dafür, wie sich Unternehmen an die geänderten Bedingungen am Solarmarkt anpassen und dank Forschung und Entwicklung neue Lösungen erarbeiten, die einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende hierzulande und auf der ganzen Welt leisten. Dass der Massenmarkt bereits vor vielen Jahren verloren wurde, haben viele Firmen schon begriffen und entsprechend gehandelt. Ein neues Geschäftsmodell wäre für Solarworld möglicherweise auch eine Lösung gewesen. Dazu wird es jetzt aber wahrscheinlich nicht mehr kommen.

Die vorliegende Kolumne wurde zuerst bei Focus.de veröffentlicht.

Dieser Artikel wurde verfasst von Peter Riedel (Bildrechte: istockphoto.com/Rost-9D)

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