Januar 17, 2022 4:34 pm

Rückblick auf den europäischen NPL-Markt 2021: Griechenland, Spanien und Italien führen Markterholung an

Der Bestand an notleidenden Krediten (NPL) in Europa kehrt 2021 auf das Niveau vor der Pandemie zurück, was vor allem auf den Schuldenabbau in Griechenland, Italien und Spanien zurückzuführen ist. Die von React News veröffentlichten Daten zeigen, dass im Jahr 2021 Veräußerungen in Höhe von 114,2 Mrd. EUR stattgefunden haben. Ein Großteil dieser Veräußerungen bezog sich jedoch auf Risikopositionen von vor der Pandemie. Die europäischen Banken haben noch immer die falsche Erwartung, dass die Pandemie die Qualität der Aktiva erheblich verschlechtern und eine neue Welle von NPLs aus der Covid-Ära auslösen würde.

Wie die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) in ihrer im Dezember veröffentlichten Risikobewertung für das Jahr 2021 berichtet, haben sich die Kapitalpuffer, die Liquidität und die Qualität der Forderungen der Banken im vergangenen Jahr verbessert, mit Ausnahme von Forderungen, die durch pandemiegefährdete Sektoren besichert sind. Die umfassende fiskalische und geldpolitische Unterstützung sorgte dafür, dass die NPL-Quoten gesenkt werden konnten, während sich die Banken im Hinblick auf die Pandemie als widerstandsfähig erwiesen. Maßnahmen wie Arbeitnehmerschutzprogramme, staatlich garantierte Kredite und Rückzahlungsmoratorien glichen die durch die Pandemie verursachte Belastung der Zahlungsströme der Kreditnehmer aus. Die weitreichenden Schutzmaßnahmen, zu denen auch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zählte, sowie die anhaltend niedrigen Zinssätze und die nationalen NPL-Verbriefungsprogramme führten dazu, dass die NPL-Quoten der europäischen Banken nach Angaben der EBA in 2021 auf bis zu 2,1 % sanken. Die europäischen NPL-Bestände fielen in 2021 um etwa 5 % auf 419 Milliarden Euro. Während die Sektoren, die von den Covid-Maßnahmen am stärksten betroffen sind, höhere NPL-Werte aufwiesen, gab es gegen Ende des vergangenen Jahres auch dort Anzeichen für eine Verbesserung.

Die kompletten Auswirkungen der Pandemie auf die Bilanzen der europäischen Banken und die Folgen für die zukünftigen NPL-Bestände in Europa müssen erst abgewartet werden. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die europäischen NPL-Aktivitäten im Jahr 2021 und konzentriert sich dabei auf die aktivsten Märkte und Regionen.

Griechenland

Griechenland war nach Angaben von Deloitte mit abgeschlossenen Transaktionen und einer noch offenen NPL-Pipeline im Wert von 45,9 Milliarden Euro der aktivste Markt in der Region. Ausschlaggebend für die Transaktionen war jedoch der Schuldenabbau vor der Pandemie durch das äußerst erfolgreiche NPL-Vertriebsmodell des Landes, das Hercules Asset Protection Scheme (HAPS). Im Rahmen von HAPS bürgt der griechische Staat für die verbrieften vorrangigen Anleihen, während private Investoren die Mezzanine- und nachrangigen Anleihen kaufen. Insgesamt sind die NPL-Quoten der griechischen Banken von 48,5 % im Dezember 2016 auf fast 10 % Ende 2021 gefallen, womit der Sektor praktisch zur Normalität zurückgekehrt ist.

Zu den größten Transaktionen zählten die Project Frontier NPL der National Bank of Greece im Wert von 6 Mrd. €, die an Bain Capital Credit, Fortress Investment Group und doValue Greece verkauft wurde, die Sunrise I der Piraeus Bank im Wert von 7,2 Mrd. €, die 205.000 NPL’s umfasste, und die Project Galaxy NPL der Alpha Bank im Wert von 10,8 Mrd. €, bei der Davidson Kempner 51 % der Mezzanine- und Nachranganleihen erwarb. Auf dem weitläufigen Markt für Mittel-, Ost- und Südosteuropa (CESEE) waren die Auswirkungen von Covid-19 auf neue NPL’s begrenzt. Der geringere Verkaufsdruck ist auf die solide Risikovorsorge der Banken und den Abschluss der meisten Umstrukturierungsmaßnahmen im NPL-Bereich zurückzuführen.

Italien

Staatliche Unterstützungsmaßnahmen dämpften den Rückgang der Kreditvergabe und bewahrten die italienischen Banken vor einem Anstieg der NPE’s. Infolgedessen waren die italienischen Banken bisher nur unwesentlich von Covid-19 betroffen. Allerdings hat die Pandemie dazu geführt, dass die NPL-Transaktionen in Italien auf den niedrigsten Stand seit 2008 gefallen sind. Nach Angaben von PwC werden die italienischen NPL-Transaktionen in 2021 voraussichtlich 32,2 Mrd. EUR betragen. Darin enthalten sind 20,2 Mrd. EUR an NPLs und UtP-Transaktionen (Unlikely-to-pay) und weitere 12 Mrd. EUR an laufenden Transaktionen. In einer weiteren Prognose schätzt die Banca Ifis, dass im vergangenen Jahr NPL-Transaktionen im Wert von rund 34 Mrd. EUR abgeschlossen wurden. In den Jahren 2019 und 2020 waren es jeweils rund 40 Mrd. EUR, was aber immer noch weniger als die Hälfte des Spitzenwerts von 2018 mit rund 84,1 Mrd. EUR an NPL-Transaktionen ausmacht.

Im Jahr 2021 erreichte der Gesamtwert der UtPs der Banken rund 49 Mrd. EUR und übertraf damit die traditionellen NPL’s (45 Mrd. EUR), was einen neuen Rekord darstellt. Insgesamt beläuft sich der Bestand an noch abzuwickelnden italienischen NPE’s, einschließlich der Exposures in den Portfolios der Investoren, auf rund 350 Mrd. €. Dies ist ein Indikator für eine künftige Transaktionspipeline, die sich aus Verkäufen von Vermögenswerten, NPLs und Sekundärtransaktionen zusammensetzt.

Im Jahr 2021 wurden vier GACS-NPL-Verbriefungen mit einem Gesamtwert von 8,1 Mrd. EUR abgeschlossen, angeführt durch die Verbriefung eines NPL-Portfolios in Höhe von 2,2 Mrd. EUR durch UniCredit an Olympia SPV srl. Darüber hinaus wurden für drei Transaktionen öffentliche Garantien gewährt: das Project Rockets im Wert von 1,5 Mrd. EUR, das NPL‘s an Banco BPM verbrieft, die NPL-Verbriefung eines Immobilien-Leasingportfolios durch Iccrea Banca im Wert von 1,3 Mrd. EUR und die NPL-Verbriefung von Intesa Sanpaolo und BPER im Wert von 3,1 Mrd. EUR. In den fünf Jahren, in denen das GACS-Programm läuft, wurden nach Angaben von PwC in Italien 39 GACS-NPL-Transaktionen im Gesamtwert von rund 96 Mrd. EUR durchgeführt.

Auf dem Sekundärmarkt erreichte das Volumen 5 Mrd. €, angetrieben durch den Portfolioverkauf von Cerberus an die Banca Ifis im Wert von 2,8 Mrd. €. Auch die Illimity Bank führte zwei Transaktionen im Gesamtwert von 250 Mio. EUR durch. Zudem wurde doValue, der südeuropäische Kreditservicer, als Referenzunternehmen für Transaktionen von Unicredit und ICCREA GACS ausgewählt. Das Unternehmen erreichte einen Marktanteil von 70 % bei italienischen GACS-Mandaten in 2021.

Spanien

Die NPL-Aktivitäten in Spanien nahmen im Laufe des Jahres leicht zu, blieben jedoch hinter den Markterwartungen zurück. Zu den nennenswerten Transaktionen gehörten das Wohnimmobilien-NPL-Portfolio der CaixaBank im Wert von 576 Mio. €, welches 4.500 Immobilien umfasst, sowie drei NPL-Portfolios der Banco Santander: ein NPL-Portfolio des Projekts Talos im Wert von 600 Mio. €, das für 100 Mio. € an Marathon Asset Management verkauft wurde, und zwei spanische Hotelportfolios im Wert von 136 Mio. € bzw. 70 Mio. €. Ein weiteres Portfolio, das mit Wohnimmobilien- und KMU-Krediten unterlegte Project Titan NPL, im Wert von 600 Mio. €, ist noch nicht verkauft.

Für die relativ schwachen Aktivitäten gibt es zwei Erklärungsansätze. Erstens blieben die Banken von höheren Ausfällen – im Einzelhandel, im Gastgewerbe, im Tourismus und in anderen Sektoren – verschont, nachdem das Auslaufen des Moratoriums für die Rückzahlung von Krediten Anfang 2021 mit einer starken Erholung der Wirtschaft zusammenfiel. Zweitens waren die Banken mit ausreichend Eigenkapital ausgestattet, um den Kreditnehmern bei Kreditauflagen entgegenzukommen. Die Banken waren zuversichtlich, dass sich das Geschäftsumfeld für pandemieanfällige Sektoren wie Hotels im Jahr 2022 deutlich verbessern würde. Sollte die Omicron-Variante jedoch eine kurzfristige Erholung der Marktverhältnisse erschweren oder verhindern, werden einige dieser NPLs nur verzögert und nicht verhindert. Spanien hat immer noch einen der höchsten Bestände an NPL’s in Europa.

Deutschland

Die deutschen NPL-Quoten gehören weiterhin zu den niedrigsten in der gesamten Europäischen Union. Nach Angaben der EBA hatten die deutschen Banken Ende des 3. Quartals 2021 NPL’s in Höhe von 31 Mrd. EUR (Quote: 1,9 %) im Bestand. Allerdings entfielen nur 1,8 Mrd. € auf KMU (Quote: 4,8 %) und 0,8 Mrd. € (Quote: 2,1 %) auf gewerbliche Immobilienkredite; beide Werte sind im Vergleich zur zweiten Hälfte des vergangenen Jahres leicht gesunken.

Vereinigtes Königreich und Irland

Die NPL-Transaktionen im Vereinigten Königreich sind seit mehreren Jahren unauffällig. Eine Ausnahme stellte der NPL-Verkauf des Einkaufszentrums Project Mercatus durch NatWest im Wert von 400 Mio. £ an ein Investorenkonsortium, darunter Attestor, Octane Capital Partners und Ellandi, dar. Das Geschäft war ein Impuls für steigende Transaktionsaktivitäten im Einzelhandel, was den Nutzen von NPLs als Instrument zur Neubewertung des Marktes unterstreicht. Anschließend erklärte sich die Ulster Bank bereit, ihren gesamten Bestand an notleidenden Unternehmens- und Geschäftskrediten im Wert von 4,2 Mrd. EUR zu einem Preis nahe dem Nennwert an die AIB zu veräußern, da die Bank Irland verlässt, was eine Wettbewerbsuntersuchung auslöste. Im November erklärte sich die AIB bereit, ihren Bestand an Kleinkrediten im Vereinigten Königreich in Höhe von 600 Mio. GBP an die Allica Bank zu verkaufen.

Dieser Artikel wurde verfasst von James Wallace

James Wallace is an editor, journalist, researcher and corporate writer on economics, geopolitics, finance, real estate, private equity, aviation, infrastructure and technology. He co-founded CoStar News in the UK in April 2011, and now works for multiple media organisations and corporations across writing, research, marketing/PR and consulting. He is an aspiring psychologist.

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(Bildrechte: https://www.istockphoto.com/de/portfolio/ilbusca)

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