Januar 7, 2020 4:04 pm

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„NPL-Standards wären hilfreich für uns“

Interview mit Timur Peters und Peter Reidel von Debitos in der Immobilien-Zeitung.

Bislang läuft der Sekundärmarkt für notleidende Kredite (NPL) weitgehend ohne feste Regeln. Die Frankfurter Vereinigung Deutsche Kreditmarkt-Standards (DKS) erarbeitet derzeit klare Standards und hat zunächst eine Umfrage unter den Marktakteuren gestartet. Der CEO der einzigen deutschen Sekundärmarktplattform Debitos, Timur Peters, und Produktchef Peter Riedel erhoffen sich von den Regeln ab Mitte 2020 ein besseres Geschäft.

 

Immobilien Zeitung: Seit wann ist die Plattform Debitos am Markt?

Timur Peters: Seit 2013. Am Anfang haben wir meist mit Kreditdienstleistern, die als Verwerter für Banken tätig waren, zusammengearbeitet. Zu Beginn waren es häufig ausgefallene Kredite ohne Immobiliensicherheiten. Danach kamen immobilienbesicherte Kredite und Insolvenztransaktionen dazu.

 

IZ: Wie teilt sich Ihr Geschäft auf?

Peters: 40% unbesicherte Consumer Loans, 35% immobilienbesicherte Transaktionen und der Rest sind unbesicherte Corporate Loans. Das sind Insolvenzforderungen und Schuldscheine, die nicht immobilienbesichert sind.

 

IZ: Wie entwickelt sich Ihr Geschäft?

Peters: Wir sind in Deutschland gestartet. Auch österreichische Banken mit Engagements in Zentral- und Osteuropa haben wir ins Visier genommen. Am Anfang standen ausschließlich Consumer Loans, da immobilienbesicherte Loans in Deutschland sehr gut via Zwangsversteigerung verkauft werden können. Mittlerweile sind wir stark gewachsen und in vielen Teilen Europas aktiv.

Peter Riedel: In Mittelosteuropa sind allerdings keine großen Portfolios mehr zu erwarten, sondern eher viele kleinere Einzeltransaktionen, die mit Immobilien besichert sind. Die Ökonomien in dieser Region haben in den vergangenen Jahren kaum zulegen können. Sollte sich die Konjunktur in Europa weiter eintrüben, werden diese Länder einen Rückzug des internationalen Kapitals erleben. Ich spreche hier vor allem von Serbien, Kroatien und Rumänien. Das ist schlecht für österreichische Banken, die hier große Hoffnungen hatten. Polen, Tschechien und Ungarn sind weniger davon betroffen.

 

IZ: Ist Debitos in Deutschland der einzige NPL-Sekundärmarktplatz?

Peters: Meines Wissens ja. Außer uns ist in Europa noch DebtX aus den USA aktiv, aber nicht in Deutschland. In Italien ist jüngst Blinks mit Inlandsfokus gestartet, hat aber bislang noch keine Transaktion gemacht. In Großbritannien gibt es NPL-Markets. Es werden aber sicherlich mehr dazukommen.

 

IZ: Aus welchen Ländern kommt Ihr Geschäft zu welchen Teilen?

Peters: Deutschland, Österreich, Zentral- und Osteuropa bilden noch den größten Teil des Transaktionskuchens. Vom Volumen ist Italien mittlerweile größer und wächst. Dort haben wir in den vergangenen Jahren auch investiert und sehen, dass der Markt attraktiv ist. Auch in Spanien und der Ukraine sind wir aktiv. In der Ukraine erhoffen wir uns aber kein allzu großes Geschäft.

 

IZ: Es ist eine Standardisierung des NPL-Marktes geplant. Die Frankfurter Vereinigung Deutsche Kreditmarkt-Standards (DKS) soll diese Vorgaben erarbeiten. Stehen Sie in Kontakt?

Peters: Ja, wir stehen in regem Austausch. DebtX und wir sind Mitglied in diesem Verband. Auch Käufer, Verkäufer, Kreditdienstleister und Anwälte sind mit im Boot. Der DKS hat eine Umfrage unter den Akteuren gestartet. Beispielsweise, warum bislang wenig auf NPL-Plattformen wie uns zurückgegriffen wurde und welche Anreize sie dazu bringen würden.

 

IZ: Was halten Sie generell von der Einführung von NPL-Standards?

Peters: Wir begrüßen das natürlich. Es gibt bisher wenig standardisierte Kaufverträge, kaum standardisierte Datenräume. Deshalb können Standards nur hilfreich für unser Geschäft sein.

 

IZ: Wann rechnen Sie mit der Einführung?

Peters: Die European Banking Authority (EBA) hat bereits im vergangenen Jahr standardisierte Datentemplates herausgegeben, die der Markt bislang allerdings kaum angenommen hat. Spätestens für Sommer kommenden Jahres rechnen wir mit der Einführung, hoffen aber, dass das eher passiert.

 

IZ: Warum findet ein solcher NPL-Marktplatz bislang wenig Anklang bei den Akteuren?

Peters: Das Geschäft ist sehr stark in der Hand von Beratern wie EY, KPMG, PwC und Deloitte. Die haben ein sehr gutes Branding im Markt. Und viele Banken stehen über die von denselben Firmen dort durchgeführten Wirtschaftsprüfungen bereits mit diesen Beratern ohnehin in Kontakt. Daher übernehmen sie oft die Transaktionsberatung. Letztlich ist es ein sensibles Thema. Es geht auch um die Sensibilität von Daten. Zu Beginn war es schwierig, diese Strukturen aufzubrechen und Referenzen aufzubauen. Wir machen uns langsam, aber sicher einen Namen am Markt.

 

IZ: Sind deutsche Banken vorsichtiger?

Peters: Sie verspüren weniger Druck, ihre NPL zu verkaufen. Das ist in Italien oder Griechenland anders. Den dortigen Akteuren geht es meist um Effizienz, Ergebnisse und höhere Kaufpreise. Bei vielen deutschen Banken wiederum liegt der Fokus auf Compliance-Themen und der Wirkung auf die Märkte.

 

IZ: Sehen Sie in Deutschland Zeichen einer Konjunktureintrübung?

Peters: Die Zahl der Insolvenzen ist in diesem Jahr zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder gestiegen. Viele Unternehmenskredite brechen weg. Natürlich steuert die EZB mit ihrer Nullzinspolitik bislang noch dagegen.

Riedel: Der Handel mit Schuldscheindarlehen nimmt zu – auch mit Einzelhandelsschuldscheinen. Möglicherweise ist das ein Hinweis für eine Eintrübung. Aber generell werden Leerstände in Shoppingmalls oder in Innenstädten zunehmen. In Großbritannien muss bereits jetzt eine Summe von 2 Mrd. Euro refinanziert werden. Das wird vermutlich nicht gelingen, sodass eine große Zahl an Malls insolvent werden wird. Ähnliche Situation in Polen: Dort wird im Retail-Bereich deutlich weniger investiert. Der Verdrängungswettbewerb ist sehr stark.

 

IZ: Zurück zu Deutschland.

Riedel: Hier stehen möglicherweise hunderte Pflegeheime vor der Insolvenz. Solche Heime benötigen unheimlich viel Personal und unterliegen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Regularien.

 

IZ: Wie hoch sind Ihre Gebühren bei Transaktionsabschlüssen?

Peters: Unsere Sätze liegen derzeit bei etwa 0,5% bis 6% des Kaufpreises – je nach Volumengröße. 60% bis 70% unserer Aktivitäten auf dem Marktplatz sind automatisiert. Unser Schwerpunkt beim Volumen der gehandelten Kredite liegt zwischen etwa 5 und 300 Mio. Euro. Bei Summen darüber stehen wir in einem verschärften Wettbewerb mit den Beratern.

 

IZ: Wie viele Transaktionen sind bei Ihnen bislang gelaufen?

Peters: Insgesamt sind bisher mehr als 290 Transaktionen mit einem Nominalvolumen von knapp 5 Mrd. Euro über Debitos abgewickelt worden. 72 Transaktionen im Wert von 1,4 Mrd. Euro waren immobilienbesichert. Mittlerweile sind über 800 Investoren bei uns registriert. Derzeit laufen neun immobilienbesicherte Transaktionen mit einem Volumen von 116 Mio. Euro. Für 2020 rechnen wir mit bis zu 200 europäischen Transaktionen mit einem Vorlaufvolumen zwischen 1 und 2 Mrd. Euro – vor allem in Italien.

 

Das Interview führte IZ-Redakteur Daniel Rohrig.

Dieser Artikel wurde verfasst von Jens Secker

(Bildrechte: Modern architecture in Berlin)

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