Mai 14, 2019 10:36 am

„In Spanien konzentrieren sich Investoren immer mehr auf Sekundärmärkte“

Die neueste Prime Yield-Studie „Keep a Eye on the NPL & REO Markets“ konzentriert sich auf das Handelspotenzial von NPLs und REOs in Portugal, Spanien, Griechenland und Brasilien. Wir hatten die Gelegenheit, mit Prime Yield-Managing Director Nelson Rêgo über die Entwicklungen in diesen Märkten in 2018 zu sprechen.

 

Herr Rêgo, wie hat sich der NPL-Markt in Spanien im vergangenen Jahr entwickelt?

2018 war sehr viel Aktivität im spanischen NPL-Markt zu erkennen – besonders was den Verkauf besicherter Portfolios angeht. Der Markt hat einen gesättigten Zustand erreicht, wodurch sich Investoren immer mehr auf Sekundärmärkte konzentrierten. 2019 werden große Impulse bei Verbriefungstransaktionen und Anpassungsprozessen für ausgefallene Kredite erwartet. Über die letzten zwei Jahre gab es einen regelrechten „Verkaufsrausch“ am spanischen Markt, mit einem geschätzten Verkaufsvolumen von 90 Milliarden Euro. Dieser Wert beinhaltet allerdings nicht nur die 2018 abgeschlossenen Verkäufe, sondern auch solche, die zwar 2018 abgeschlossen, aber erst im ersten Halbjahr 2019 abgewickelt wurden.

 

Und Portugal?

Das vergangene Jahr war ein Rekordjahr für den portugiesischen NPL-Markt – und markiert wohl den Beginn einer Phase der gesteigerten Aktivitäten. 2016 und 2017 lag das durchschnittliche Verkaufsvolumen noch bei ca. zwei Milliarden Euro, nun werden selbst die höchsten Erwartungen übertroffen. Mit mehr als sieben Milliarden Euro an portugiesischen NPL- & REO-Verkäufen wurde ein neuer Rekord erreicht – für das Land ein einzigartiger Meilenstein. Mittlerweile haben die Investoren portugiesische NPLs längst auf dem Schirm. Aufgrund der gestiegenen Anzahl an Marktteilnehmern auf der Suche nach Renditen können für 2019 mehr und mehr Transaktionen erwartet werden.

 

Nelson Rêgo

Nelson Rêgo

Warum haben sich die Verkäufe in Griechenland 2018 so positiv entwickelt?

Wir glauben, dass der Anstieg der Verkäufe hauptsächlich von den strengen Regelvorgaben aus Basel III, Solva II und IFRS 9 sowie aus dem gestiegenen Vertrauen der Investoren hervorging. Der Fokus der griechischen Zentralbank auf NPLs hat ebenfalls eine große Rolle bei der Entwicklung notwendiger Strukturen gespielt. Heute sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen festgelegt und der Markt reift schnell. Laut der griechischen Zentralbank wurden die Zielsetzungen zur Reduktion der NPLs sowohl 2017 als auch 2018 erfüllt. Das ist definitiv positiv und legt den Grundstein für einen zunehmenden NPL- und NPE-Abbau. So können Banken ihre finanzielle Leistung verbessern und Kapital in die Wirtschaft pumpen. Diese Prognose erfordert jedoch ein wirtschaftliches Wachstum.

 

Warum glauben Sie, hat das so lange gedauert?

Erst die Umstrukturierung der griechischen Banken 2015 hat die Grundlagen dafür gelegt, dass sich die Institute ernsthaft mit dem Verkauf von NPLs beschäftigt haben. 2016 sind die ausgefallenen Kredite beispielsweise ja noch um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Auch der zunehmende Druck vonseiten der EZB und des ESM haben damals dafür gesorgt, dass die Banken ihrerseits NPL-Verkäufe vorangetrieben haben. Allerdings waren die Institute bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht darauf vorbereitet. 2016 war hier tatsächlich ein Wendepunkt. Es gab aber noch keinen gesetzlichen Rahmen – und es dauerte sehr lange, weil sich die Verhandlungen zwischen der Regierung und der Troika verzögerten. Am Ende wurden aber strukturelle Hindernisse beseitigt, unter anderem dank außergerichtlicher Verfahren und einer Auktionsplattform. Des Weiteren erhielten bis 2016 nur vier Servicer eine Lizenz. Dieses Problem wurde durch neue Rahmenbedingungen gelöst, die den derzeit 17 Servicern auf dem Markt den Weg ebneten. Zehn weitere Servicer sind gerade im Begriff ebenfalls eine Lizenz zu erhalten.

 

Was sind derzeit die größten Hindernisse auf dem griechischen NPL-Markt?

Um nur ein paar zu nennen: Die langsamen und komplizierten legislativen Vorgänge, begrenzte außergerichtliche Vorgänge und steuerliche Anti-Incentives, der Wahlzyklus, die vielen Komplexitäten des aktiven NPL-Managements sowie der Fakt, dass der Markt aufgrund eines asymmetrischen Datenflusses zwischen Käufern und Verkäufern noch nicht vollständig geöffnet ist.

 

„2018 war ein Ausnahmejahr für NPL-Verkäufe in Brasilien“

 

Wie weit ist der brasilianische NPL-Markt?

Der brasilianische NPL-Markt ist ein aufstrebender Markt, der aktuell immer weiter professionalisiert wird. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen sind vielversprechend und die Banken scheinen offener dafür zu sein, Produkte zum Verkauf anzubieten, was internationalen Investoren den Weg ebnet, sich mit den Portfolios ernsthaft zu befassen. 2018 war, verglichen mit den beiden Vorjahren, ein Ausnahmejahr für NPL-Verkäufe in Brasilien, mit geschätzten 40-50 Milliarden Real Handelsvolumen – wenn man sowohl abgeschlossene als auch laufende Geschäfte mit einbezieht. Und dadurch, dass sich Nachfrage und Angebot darauf ausrichten, auf einem weitläufigeren Markt aktiv zu werden, werden sich NPL-Verkäufe in den kommenden Jahren wohl beachtlich steigern.

 

Einige Experten behaupten, 2018 sei möglicherweise der Gipfel für NPL-Verkäufe in Europa gewesen. Sie sagen, dass Investoren bereits neue Möglichkeiten suchen, sowohl was die Arten von Anlagen angeht als auch verschiedene Länder. Würden Sie zustimmen?

Ich stimme komplett zu – und es ist wichtig hervorzuheben, dass Investoren sich die Fülle an Möglichkeiten zunutze machen, die es nicht nur in Europa, sondern auch in Lateinamerika gibt. Der spanische NPL-Markt ist da gesättigter. Außerdem ist jetzt klar, dass der portugiesische NPL- und REO-Markt endlich als einer der vielversprechendsten Märkte in Europa anerkannt wird, da es sehr interessante Möglichkeiten für Investoren aus der ganzen Welt gibt. Was Brasilien angeht, so professionalisiert sich der Markt gerade. Einige spezialisierte Finanzdienstleister haben bereits bekanntgegeben, dass sie planen, aktiver als Käufer von Portfolios aufzutreten. Auch immer mehr Banken sind mittlerweile der Meinung, dass NPL-Verkäufe für ihre Erholung entscheidend sind.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Rêgo.

Dieser Artikel wurde verfasst von Jens Secker

(Bildrechte: istockphoto.com/GoranQ)

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