Dezember 27, 2018 10:53 am

Faule Kredite: Der Handel im Wandel

Europas Banken müssen endlich ihr Problem mit Non-Performing Loans in den Griff kriegen, bevor die nächste Finanzkrise vor der Tür steht. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Digitalisierung des Verkaufsprozesses.

Als Banker wird einem aktuell nicht langweilig: Hoher Margendruck aufgrund der Niedrigzinsphase und IT-Systeme noch aus dem vergangenen Jahrtausend sind nur zwei der vielen Herausforderungen, die Europas Banken momentan umtreiben. Hinzu kommen immer wieder Stolpersteine wie aktuell etwa das Thema Geldwäsche – fragen Sie mal bei der Danske Bank oder der Deutschen Bank nach. Oder bei der ING Group, wo vor nicht allzu langer Zeit sogar der CFO wegen eines solchen Skandals seinen Hut nehmen musste.

Auch die zunehmende Regulierung durch nationale
und europäische Bankenaufsichten und die Unsicherheiten, die damit
einhergehen, machen den Instituten zu schaffen. Steht die Bankenunion
jetzt vor dem Abschluss oder geht der Streit um die Einlagensicherung
weiter? Ein europaweiter Banken-Binnenmarkt scheint jedenfalls noch
nicht unmittelbar bevorzustehen, wenn man die Kommentare rund um das
Treffen der Euro-Finanzminister Anfang Dezember richtig deutet.

Dazu kommt der Berg an faulen Krediten, den die Banken seit der Finanzkrise angehäuft haben. Zwar ist die Summe an den sogenannten Non-Performing Loans (NPLs) in den vergangenen Jahren stetig gesunken (oder besser gesagt: verschoben worden) – von einer Entwarnung kann aber aktuell noch keine Rede sein.

Denn in den Bilanzen der großen Finanzinstitute liegen noch immer Kredite im Wert von etwa 820 Milliarden Euro, die bereits seit mehr als 90 Tagen nicht mehr bedient wurden. Das gab die Europäische Kommission Ende November in ihrem aktuellen NPL-Report bekannt.

Große Investoren schauen nach Europa

Den Ernst der Lage haben die europäischen Bankenaufseher mittlerweile erkannt und fordern regelmäßig den Abbau der Problemkredite. Denn sollte der wirtschaftliche Aufschwung in Europa zum Erliegen kommen, dürfte sich die Zahl der faulen Kredite auf einen Schlag wieder deutlich erhöhen – je nach Ausmaß mit verheerenden Folgen. Die Banken müssen die aktuelle Phase nutzen und sich von ihren Altlasten befreien und zwar schnell.

Das Gute ist: Große Investoren haben längst den Blick nach Europa gerichtet, um den Banken ausgefallene Kredite besonders aus den Krisenregionen wie Italien und Griechenland abzukaufen. Und sie haben etwas, was die Banken aktuell im Hinblick auf die NPLs nicht haben – nämlich Zeit. Oftmals sind die Kredite mit Immobilien besichert, deren Verwertung zwar mehrere Jahre dauern kann. Im Erfolgsfall verspricht das aber hohe Renditen.

Die
Deals laufen bisher häufig nach dem folgenden Muster ab: Die Bank
beauftragt eine große Unternehmensberatung, einen Käufer für ein
spezifisches NPL-Portfolio zu identifizieren. Die Berater lassen ihre
Kontakte spielen und präsentieren der Bank nach Monaten des Verhandelns
und einer umfangreichen Due Dilligence (sowie nach Erhalt eines nicht
unerheblichen Geldbetrags) einen geeigneten Investor.

Danach
beginnt die Phase der Vertragsverhandlungen: Rechtsanwälte,
Steuerberater, Bankmitarbeiter und Investment Manager senden serienweise
Dokumente mit Markups quer durch das World Wide Web. Wenn sich Bank und
Käufer einigen, ist alles gut. Wenn nicht, geht das ganze Prozedere
wieder von vorne los.

Digitale Handelsplattformen für mehr Transparenz

So
oder so ähnlich wurden in Europa zwischen 2014 und 2017 jährlich faule
Kredite im Wert zwischen 100 und 150 Milliarden Euro von Banken an
Investoren verkauft. Doch die Mitarbeiter der großen Bankenaufsichten
wie der Europäischen Zentralbank (EZB), der EBA und der Europäischen
Kommission stellen sich den NPL-Verkauf in Zukunft deutlich anders vor:
In einem mehr als 30 Seiten starken „Commission Staff Working Document“,
das parallel zum aktuellen NPL-Report veröffentlicht wurde, klären die
Autoren über die Vorteile eines Forderungsverkaufs per Online-Marktplatz
auf.

Die
Nutzung einer solchen Handelsplattform verringert die
Transaktionskosten und erhöht die Geschwindigkeit des Verkaufs. Darüber
hinaus lassen sich auf diesem Weg die Daten über faule Kredite
standardisieren, was die Vermarktung der Portfolios deutlich
vereinfacht.

Ein
NPL-Marktplatz müsste in den Augen der Mitarbeiter der drei
Institutionen allen Verkäufern sowie Investoren offenstehen und diese
auf einer Plattform zusammenführen. Auch ein Handel über die
Ländergrenzen hinweg wird von den Aufsehern im Sinne der Europäischen
Bankenunion als Grundvoraussetzung angesehen.

Einen weiteren Punkt halte ich darüber hinaus noch für essenziell: Eine digitale Handelsplattform ist ein wirksames Tool, um aktuell geltende Marktpreise für die verschiedenen Handelsklassen zu ermitteln, wodurch der NPL-Verkauf weiter professionalisiert wird. Die Nutzung einer digitalen Handelsplattform führt insgesamt also zu etwas, was man in der Bankenbranche häufig vergeblich sucht – zu mehr Transparenz.

Die Kolumne wurde zuerst auf Welt.de veröffentlicht.

Dieser Artikel wurde verfasst von Timur Peters

Timur PetersTimur Peters is the founder of Debitos GmbH. He holds a diploma in finance and law. He has more than 10 years’ experience in the range of finance.
Before Founding Debitos Timur Peters was responsible in the distribution of Software for Banks and Financial Institutions for Comarch for the D/A/CH Region. Next to this he has worked for several years as a self employed Project Consultant in the area of Financing of Litigation cases, Peer2-Peer Credit Marketplaces and other online projects for financial institutions.

Website:
https://www.debitos.com

(Bildrechte: istockphoto.com/nfensom)

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