Juli 1, 2019 10:34 am

„Debitos ist definitiv im italienischen Markt angekommen“

Seit 2017 ist Debitos in Italien aktiv, dem möglicherweise wichtigsten NPL-Markt in Europa. Im vergangenen Jahr wurden über die Online-Plattform die ersten Transaktionen durchgeführt, darunter der Verkauf eines 2,1-Milliarden-Euro-Portfolios gemeinsam mit Kooperationspartner EY Italien. Jetzt will der Kreditmarktplatz seine Aktivitäten in Italien ausweiten und hat Francesco Paolo Bellopede (40) zum neuen Country Manager ernannt. Im Interview äußern sich Francesco und Debitos-CEO Timur Peters über die Entwicklungen auf dem italienischen NPL-Markt – und die nächsten Schritte des Frankfurter Unternehmens.

 

Francesco, was hast du gemacht, bevor du zu Debitos gekommen bist?

Francesco: „Ich habe fast 15 Jahre lang Erfahrungen in London gesammelt, hauptsächlich im Bereich Illiquid Assets und Structured Finance. Ich habe bei RAIT Financial Trust angefangen, einem Unternehmen, das sich zum Beispiel auf der Käuferseite mit Structured Finance für illiquide Produkte und Immobilienfinanzierungen beschäftigt hat. Die Firma hat sich hauptsächlich auf Spanien, Portugal, Italien und Griechenland konzentriert. Die CDO-Plattform für Structured Finance wurde dann 2012 von Fortress übernommen. Ich habe danach das europäische Büro eines US-Brokers in London eröffnet. Wir waren am Sekundärhandel von illiquiden Krediten und Anleihen, zum Beispiel griechischen Anleihen, beteiligt. 2014 habe ich dann bei Stern Agee begonnen, einem weiteren Broker. Dort war ich mit illiquiden Produkten und Forderungen im Zusammenhang mit dem Konkurs von Lehman Brothers und anderen sekundären Transaktionen betraut, insbesondere im Bereich Single-Name Corporate Distressed. Das Unternehmen wurde von Stifel übernommen und fusioniert, als ich knapp sechs Monate dort war. Das Londoner Büro wurde geschlossen, also bin ich zu Flexagon Capital Solutions gewechselt.“

 

Francesco Paolo Bellopede in der Debitos-Firmenzentrale in Frankfurt

Worauf lag der Schwerpunkt bei Flexagon?

Francesco: „Ich habe mich hauptsächlich auf den südeuropäischen Markt fokussiert. Zwischen 2015 und 2017 – und auch später – haben wir uns vor allem auf KMUs im italienischen Markt mit hohem Wachstumspotenzial oder in einer kritischen Lage konzentriert. Mein Fokus lag also auf italienischen Unternehmen, Structured Finance und illiquiden Produkten. Im Mai 2019 kam ich dann zu Debitos.“

 

Wann bist du das erste Mal mit dem Namen „Debitos“ in Berührung gekommen?

Francesco: „Der erste Kontakt zwischen mir und Debitos war mit dem ersten Deal in Italien verbunden, der Übernahme des „Arcade-Portfolios“ durch Cerberus. Das „Arcade-Portfolio“ ist damals über viele Schreibtische gewandert. Es stammt aus San Marino und von anderen italienischen Banken – und ich komme ursprünglich aus einer Provinz in der Nähe von San Marino. Ich erfuhr in den Medien von dem Deal, also kontaktierte ich Timur und wir haben ein Treffen in Mailand vereinbart. Wir sprachen über den italienischen NPL-Markt – und wie man ihn entwickeln könnte. Wir haben sehr schnell festgestellt, dass wir in Bezug auf den Markt ähnliche Meinungen und Einschätzungen haben. Ich kenne eine ganze Reihe von Menschen, die früher in London gearbeitet haben und heute für italienische Banken tätig sind. Und ich werde versuchen, diese Kontakte jetzt für Debitos zu nutzen.“

 

„Ich denke, wir bieten eine ideale Lösung gerade für die kleinen und mittleren Banken, die nicht über die Infrastruktur verfügen, um die Transaktionen selbst durchzuführen.“ – Francesco Paolo Bellopede

 

Wie würdet ihr den italienischen NPL-Markt im Moment beschreiben?

Timur: „Italien ist neben Spanien und Griechenland ein Schwerpunkt für Debitos. Der spanische Markt ist bereits sehr weit entwickelt. Der Fokus liegt dort vor allem auf REOs, die von den Vermögensverwaltern zurück in den Markt transferiert werden. In Italien befinden wir uns teilweise noch in einem sehr frühen Stadium – insbesondere bei kleinen und mittleren Banken. Die Großbanken haben ihre großen Portfolios bereits verkauft. Aber wir erwarten jetzt auch viele Folgetransaktionen von den großen Bankenportfolios und den erfolgten Verbriefungen. Es gibt also noch viel zu tun, nicht nur von der Bankenseite her. Für Debitos ist es der perfekte Zeitpunkt, unsere Aktivitäten dort zu erweitern, um den Asset Managern, die beispielsweise gerade dabei sind, diese Folgetransaktionen abzuarbeiten, unseren Service anzubieten.“

Francesco: „Es gibt noch viele Assets, die dort noch bearbeitet werden müssen, aber ich würde sagen, dass die Kapazitäten bei vielen Managern schon voll sind. In Italien besteht sicherlich ein Bedarf an mehr Servicing, um die aktuelle Situation bewältigen zu können. Der italienische Markt bietet eine große Chance für Sekundärmärkte wie Debitos, da die Infrastruktur für das Workout bei den Banken nicht in dem Maße entwickelt ist, wie es sein sollte. Wir sehen auch einige Chancen bei den Großbanken, denn auch sie müssen sich dringend auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und versuchen, eine Lösung besonders für ihre kleinvolumigen NPL-Portfolios zu finden.“

 

Wird die Debitos-Plattform in Italien bereits als ein geeignetes Instrument zum Verkauf von Kreditengagements angesehen?

Francesco: „Debitos ist definitiv im Markt angekommen – vor allem durch den Arcade-Deal. Ich denke, wir bieten eine ideale Lösung gerade für die kleinen und mittleren Banken, die nicht über die Infrastruktur verfügen, um die Transaktionen selbst durchzuführen. Sie haben einfach nicht die Reichweite von Debitos, die auf dem internationalen Markt bereits eine große Erfolgsbilanz vorweisen und Engagements bei lokalen Anbietern gewährleisten können. Der Appetit auf diese Art von Vermögenswerten nimmt bei internationalen Investoren zu, da, wie Timur erwähnte, Spanien und andere Länder wesentlich weiter fortgeschritten sind. In Italien hängen wir etwas hinterher. Wir befinden uns mitten in einem Prozess, in dem sich die Regulierungsbehörden mehr auf NPLs konzentrieren und es mehr Richtlinien für Sekundärmärkte gibt. So werden die Produkte immer mehr standardisiert, um den Verkauf der Artikel auf einem paneuropäischen Markt zu erleichtern. Zudem gibt es einen stärkeren Druck auf politischer und regulatorischer Ebene, eine Lösung für die Banken zu finden – insbesondere für Regionalbanken, die in Schwierigkeiten waren und sind und Investoren finden müssen, um ihre NPL-Engagements zu verkaufen.“

 

„Italien ist wirklich der einzige Markt, in dem NPL-Verbriefungen eine so große Rolle spielen.“ – Timur Peters

 

Eines der Hauptthemen in Italien im vergangenen Jahr waren die Garantien zur Verbriefung von NPLs – GACS.

Francesco: „Hauptziel der staatlichen Garantien für die Verbriefung von NPLs war es, den Verkauf dieser Portfolios zu erleichtern. Sie wurden umgesetzt, um in einem kritischen Moment des Marktes einen Ausweg zu finden. Aber ich glaube nicht, dass die Regulierungsbehörden und die politischen Kräfte sich bemühen werden, diese Garantien in Zukunft in dieser Form zu verlängern. Es ist zu einer riskanten Option für die Regierung geworden und zu einer großen Belastung für die Marktteilnehmer. GACS lief im März aus und die Vorschriften werden wohl verschärft. Aber man kann mit Sicherheit sagen, dass die GACS-Portfolios derzeit nicht den ursprünglichen Erwartungen entsprechen.“

Timur: „Italien ist wirklich der einzige Markt, in dem NPL-Verbriefungen eine so große Rolle spielen – und der einzige Grund dafür ist GACS. Im Normalfall sind Investoren selten an diesem Produkt interessiert, wenn es keine staatliche Garantie dafür gibt. Weil sie nicht alle Risiken sehen, die die Verbriefung mit sich bringen könnte. Und das ist übrigens einer der Gründe, warum viele Investoren die gleichen Schwierigkeiten befürchten, die wir während der Finanzkrise hatten: Dass sie einige Schuldscheine und Verbriefungen kaufen, bei denen sie keine Ahnung haben, was tatsächlich drin steckt und was der wahre Wert ist.“

 

Timur Peters auf dem NPL-Forum 2019 in Mailand

Ihr habt beide Ende Mai am NPL-Forum in Mailand und an einem Roundtable zum Plattform-Modell teilgenommen. Wie ist das gelaufen?

Timur: „Das NPL-Forum im Allgemeinen und auch das Plattform-Panel liefen sehr gut. Es haben Vertreter der Europäischen Kommission, der EBA und des Europäischen Data Warehouse an der Diskussion teilgenommen. EY Italy präsentierte auch eine Fallstudie über den Verkauf des „Arcade-Portfolios“. Das war für das Publikum sehr nützlich, damit es sehen konnte, dass eine Plattform in Italien tatsächlich funktionieren kann. Für die Aufsichtsbehörden war es gut, auch vom Publikum ein Feedback über ihre aktuelle Arbeit mit NPLs und den von ihnen eingeführten Templates zu erhalten.“

 

Welches Feedback haben die Regulatoren denn erhalten?

Timur: „Zusammenfassend sind die meisten Teilnehmer des NPL-Forums in Mailand überzeugt, dass das Plattformmodell erhebliche Auswirkungen auf die NPL-Branche haben wird. Und das Publikum schien Fan von Standardisierung zu sein. Den meisten Teilnehmern war jedoch nicht bekannt, wie die Strategie der Kommission in Bezug auf NPLs tatsächlich aussieht. Und fast niemand wusste, dass die EBA bereits standardisierte Vorlagen für den Verkauf von NPLs herausgegeben hatte. Es waren zwei von 80 Personen, die von den Vorlagen wussten. Ich glaube, die EBA muss hier noch besser kommunizieren.“

 

Was werden die nächsten Schritte sein – für Debitos und den italienischen Markt im Allgemeinen?

Francesco: „Auf den generellen Markt bezogen werden wir viele weitere Sekundärgeschäfte sehen. Für Debitos bedeutet dies eine Chance, den Traffic auf der Plattform zu erhöhen – auch bei kleineren Volumina. Wir wollen beweisen, dass dieses Konzept auch für verschiedene Arten von Portfolios und Anlageklassen geeignet ist.“

Timur: „In Italien wollen wir unsere Marktabdeckung ausbauen. Und das Ziel ist, dass im nächsten Jahr jede Bank und jeder Darlehensgeber hier unseren Kreditmarktplatz kennt und weiß, was er zu bieten hat. Um das zu erreichen, müssen wir unbedingt an unserem Branding und der Marktbekanntheit arbeiten. Auf der anderen Seite wollen wir unsere Investorenabdeckung in Italien verbessern. Wir haben eine sehr globale Community auf unserer Plattform, die bereits dort investiert. Aber wir arbeiten kontinuierlich daran, den richtigen Investor für die richtige Anlageklasse oder das richtige Produkt zu finden – auch wenn es sich um einen Nischenmarkt handelt. Und einige erfolgreiche Transaktionen wären natürlich auch schön.“

 

Francesco und Timur – vielen Dank für das Gespräch.

Dieser Artikel wurde verfasst von Jens Secker

(Bildrechte: istockphoto.com/neirfy)

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